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Alles zum Thema Trampen

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Alles zum Thema Trampen

Alles was ich  zum Thema Trampen schon immer mal wissen wollte

Trampen ist ein heikles Thema. Immer wieder heiß diskutiert unter den Kritikern und hoch gelobt unter den bekennenden Anhängern. Ich selbst bin noch nie im klassischen Sinne (Mitfahrzentrale und einen Lift nach einer Großveranstaltung, den ich auf der Straße auftat, zähle ich nicht zum klassischen Trampen) getrampt, schließe es aber prinzipiell nicht aus. Wie gut, dass es Nina F. gibt, die hier mit einer geballten Ladung Erfahrung aus zig Tausend Kilometern Hitchhiking im In- und Ausland, mal ein paar wichtige Basics für dich und mich zusammen gestellt hat.

Per Anhalter fahren – das macht doch heute keiner mehr!

Wie du trampst? Gibt es das noch? Trampen ist doch viel zu gefährlich! Heutzutage passiert doch viel zu viel. Dein Fahrer baut einen Unfall, er vergewaltigt dich, er raubt dich aus, er prügelt dich zu Tode. So etwas passiert doch täglich!

Tut es das? Natürlich! Wir werden doch täglich von Schreckensnachrichten zugebombt. Ständig liest man von den gewaltbereiten Jugendlichen, von furchtbaren Entführungen, Vergewaltigungen und Morden. Die Zeitung, die Nachrichten, die Klatschpresse, das Internet, die Nachbarn und Freunde und nicht zuletzt die ganzen „social media“-Kanäle – alles deutet doch daraufhin, dass es einen starken Kriminalitätsanstieg gibt.
Doch nein, es stimmt nicht. Kriminalität ist präsenter und wird mehr thematisiert, die Zahlen dazu sind aber rückläufig. Tatsächlich hat die Gewaltbereitschaft und Kriminalitätsrate in den letzten Jahren eher abgenommen. Auch die „Süddeutsche“ meint zum Thema Jugendgewalt „Es hat sich also vor allem die Sichtbarkeit der Jugendgewalt deutlich erhöht. Die Opfer- und Täterquoten der Jugendlichen sind dagegen nach diesen Dunkelfeldbefragungen seit 1998 stabil bis leicht rückläufig.“

„Bloß“ 0,06% aller Todesursachen geschehen durch tätliche Angriffe! Und die wenigsten davon in einem Auto…. Ein Bericht dazu von 2013 gibt es hier.

Doch nun zurück zum trampen. Mit einigen Vorsichtsmaßnahmen und einer gehörigen Portion Menschenverstand ist es meiner Meinung nach nicht gefährlicher, als in das eigene Auto zu steigen.

5 Gründe fürs Trampen

  1. Man ist frei!
    Es ist ein Wahnsinnsgefühl, an der Straße zu stehen und den Daumen rauszuhalten. Dabei fühle ich mich in unserem strukturieren und geplanten Alltag auf einmal unabhängig und abenteuerlustig!
  2. Das Ungewisse hat seinen Reiz
    Ich fand diesen Nervenkitzel immer ganz spannend: Wie lange stehe ich hier an dieser Raststätte? Was lerne ich für Leute kennen? Wie weit komme ich heute noch? Wo übernachte ich? Wann erreiche ich mein Ziel?
  3. Man lernt andere Leute kennen
    Beim Trampen bist du bei den unterschiedlichsten Leuten im Auto, häufig für Stunden. Das ist anstrengend, aber auch spannend. Du lernst Leute kennen, denen du sonst wohl nicht begegnet wärst. Du hörst vielleicht spannende Geschichten, Insidertipps über deinen Zielort, tolle Witze, gute Musik,….
    Und manchmal ergeben sich auch dauerhafte Kontakte, ein Schlafplatz für die Nacht, ein ungeplanter gemeinsamer Ausflug, ein spendiertes Mittagessen…
  4. Trampen ist gut für die Umwelt!
    Das eigene Auto zuhause stehen lassen, in Autos mitfahre, die sowieso fahren – ein definitives Plus für die Umwelt!
  5. Man spart Geld
    Neben dem Fahrradfahren und Wandern ist trampen wohl die günstigste Art der Fortbewegung. Kostenlos um die Welt (oder wohin man gerade möchte) – da kann kein Fernbus, Frühbucherrabatt, Mitfahrgelegenheit mithalten!

5 Tipps zum Trampen

  1. Daumen raus, Schilder basteln, Leute ansprechen sind die drei Möglichkeiten, per Anhalter zu fahren. Daumen raus macht am Straßenrand und bei Autobahnauffahrten Sinn, Schilder basteln vor Kreuzungen oder nahe Autobahnkreuzen. Die höchste Wahrscheinlichkeit, mitgenommen zu werden, ist aber auf Parkplätzen und Raststätten Leute direkt anzusprechen. Das kostet zwar einiges an Überwindung, ist aber sehr effektiv. Es ist einfacher, an jemandem vorbeizufahren als ihnen ins Gesicht zu sagen, man möchte sie nicht mitnehmen. Außerdem können sie sich ein Bild von dir machen und du dir von ihnen!
    Stellst du dich an den Straßenrand, dann dorthin, wo die Leute dich von weitem sehen können und gut anhalten können! Wer auf einer 100km/h Strecke nirgends anhalten kann, tut dies auch nicht!
  2. Vermeide große Städte! Versuche, nicht unplanmäßig in Städten zu stranden – es ist verdammt schwierig, wieder aus Städten heraus zu trampen! Solltest du länger in einer Stadt fest hängen und keiner nimmt dich mit, überlege, ob du einen Bus oder eine Bahn zu einem Außenbezirk der Stadt nimmst!
  3. Halte Smalltalk und lächle. Die meisten Autofahrer, vor allem, wenn sie alleine fahren, möchten sich mit dir unterhalten. Erzähle zum 100sten Mal, wieso du trampst, wie alt du bist und wo du herkommst. Vermeide schwierige Themen wie Religion und Politik. Aber sei auch empathisch; vielleicht will der Autofahrer auch nur seine Ruhe haben und bevorzugt eine schweigsame Autofahrt?
    Und: Je sympathischer und „bürgerlicher“ du wirkst, desto eher nehmen dich die Leute mit.
  4. Nimm eine Karte mit. Egal wie sorgfältig du deine Route auf ein Blatt Papier schreibst – nimm eine Karte mit, um flexibel zu bleiben, den Ort zu suchen, wo dein potentieller Fahrer hinfährt, zu zeigen, wohin du möchtest,….
  5. Überlege, wie du die Nächte verbringen möchtest und nimm genug Geld für den Notfall mit
    Für lange Strecken ist es klasse, wenn man Zeltsachen dabei hat. So ist man komplett flexibel, kann fahren, so weit man kommt und lässt sich dann irgendwo absetzen, wo man gut zelten kann. Oder schläft notfalls im Schlafsack an der Raststätte. Vielleicht bieten einem auch die Fahrer an, bei ihnen zu übernachten. Habt ihr ein schlechtes Gefühl, braucht ihr das Angebot ja nicht annehmen!
    Bist du ohne Zelt unterwegs, ist es gut, sich kürzere Strecken vorzunehmen, um ganz sicher auch am Ziel anzukommen. Geld dabei zu haben macht Sinn, falls man wirklich irgendwo strandet und unbedingt einen Bus oder sogar ein Taxi nehmen muss.

5 Tipps zur Sicherheit

Um die Risiken beim Trampen zu minimieren,

solltest du ein paar Dinge beachten. Intuition geht immer über alles und jeder kennt doch die Momente, wo uns unbehaglich ist und sich etwas nicht richtig anfühlt. Traue immer deinem Gefühl!

  1. Sprich, wenn möglich, die Leute direkt an. Fahre bei niemandem mit, bei dem du ein schlechtes Gefühl hast! Solltest du dich nach der Abfahrt auf einmal ganz unwohl im Auto fühlen, sage freundlich, aber bestimmt, dass du deine Pläne geändert hast und die nächste Möglichkeit raus möchtest.
  2. Halte deine Freunde/Familie auf dem Laufenden. Eine Sms, von wo aus du losgefahren bist und dein Ziel, vielleicht sogar mit der Kennnummer sorgt für Sicherheit beim Trampen. Ruhig auch so, dass der Fahrer das mitkriegt. Das ist nicht unhöflich, sondern zeigt, dass du vorsichtig bist.
  3. Fahrt zu zweit. Zu zweit trampen macht mehr Spaß, minimiert die Chance, mitgenommen zu werden ein wenig aber ist auch sicherer. Das heißt nicht, dass ich finde, man sollte alleine nicht trampen.
  4. Nimm Pfefferspray o.ä. mit. Nur für den Fall. Besonders, wenn du als Frau alleine trampen bist.
  5. Vermeide es, nachts zu trampen und bleibe immer wach, wenn du es doch tust. Nicht nur ist die Chance geringer, mitgenommen zu werden, sondern auch das Risiko stark erhöht, dass etwas Blödes beim Trampen passieren kann. (Unfall, Sekundenschlaf, Verfahren, Übergriffe)

Trampen mit Kindern

Trampen mit Kindern ist natürlich auch möglich. Dabei gilt es aber im besonderen Maße an verschiedene Dinge zu denken. Mit Kind per Anhalter wird äußerst selten gemacht, was natürlich folgende Gründe hat

  • es ist gesellschaftlich verpönt.
  • ohne Kindersitz zu fahren ist in den meisten Ländern illegal. Einen solchen mitzuschleppen macht wohl meistens keinen Sinn. Das Kind mit auf dem Schoß anzuschnallen oder während der Fahrt im Tragetuch zu behalten sind Alternativen. Jedoch werden viele Autofahrer nicht bereit sein, das Kind ohne Kindersitz mitzunehmen.
  • Kinder sind meistens keine ganz entspannten Autofahrer. Hunger, Harndrang, Langeweile können von Kindern weniger gut unterdrückt werden als von uns.

Dennoch möchte ich das Trampen mit Kindern nicht ausschließen! Ich kenne viele Familien, die das regelmäßig machen und habe es selbst schon mehrmals mit meiner Tochter gemacht.
Ich hatte mal einen tollen Blog von einer Familie, die mit ihrem kleinen Sohn Europa betrampt haben, kann ihn aber nicht mehr finden! Vielleicht findest du ihn? Und Schickst uns den Link dann in einem Kommentar.

Nützliche Links zum Thema Trampen

Was hältst du vom Trampen?

Was bedeutet Trampen eigentlich für dich? Ein Wagnis? Ein Risiko? Ein Abenteuer? Ein Lebensstil? Was es auch ist, wir interessieren uns brennend für deine Meinung. Hinterlasse einen Kommentar und lass uns eine bereichernde Diskussion zum Thema Trampen starten.

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