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Von Melakka nach Sumatra – eine Fahrt, die im Gedächtnis bleibt

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Von Melakka nach Sumatra

Von Melakka nach Sumatra mit der Fähre

Ohne Flug von Melakka nach Sumatra? Geht das und wenn ja wie? Nach langer Zeit verlassen wir Malaysia, nicht zuletzt wegen des auslaufenden Visas, auch der Drang nach neuen Abenteuern und Kulturen spielt eine Rolle. Wir machen uns auf nach Sumatra, mit der Fähre soll es von Melaka nach Dumai gehen und von dort weiter nach Parabat am Lake Toba. Wie abenteuerlich, strapaziös und wegweisend diese Anfahrt für uns wird, ahnen wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.

Passverwirrung auf unserer Reise von Melakka nach Sumatra

Bereits bei der Ausreise ist es ein wenig holprig. Janniks ungültiger Ausreisepass und sein neuer noch leerer Pass sorgen wir Verwirrung und man ruft uns ins Büro des Vorgesetzten. Dass wir dann auch noch ganz knapp an einem Overstay vorbei sind, erfahren wir erst hier. Die Prozedur hier im Büro zieht sich und nebenbei gibt es viele Fragen, die ich brav beantworte. 15 Minuten später verlassen wir das Büro mit einem Lächeln und dem Ausreisestempel in Richtung Fähre (Hin- und Rückweg 40 Euro für Erwachsene und 20 Euro für Kinder)  nach Sumatra. Ich gestehe an dieser Stelle, sehr erleichtert zu sein.
Abgesehen davon, dass auf der Fähre das wer-zuerst-kommt-malt-zuerst-Prinzip gilt und die Sitzplätze auf den Tickets eher der Zierde dienen, gibt es keine besonderen Vorkommnisse. Die Überfahrt ist absolut unproblematisch und entspannt und auch die sonst viel zu kalt eingestellte Klimaanlage gibt es hier nicht. Wir sind also guter Dinge und voller Tatendrang.

Unsere Ankunft in Dumai auf Sumatra

Bei Ankunft in Dumai lassen wir uns Zeit beim Aussteigen, nichtsahnend welche Schlange sich vor uns an der Immigration auftut. Kein Problem, Jannik versorgt uns mit aufmunternden Liedern. Ich hatte mir vorher schon ein paar Geschichten zu Indonesien und speziell Sumatra angehört und bin gewappnet. Die Abfertigung geht dann aber ganz zügig und es kommt nur kurz die Frage nach dem Rückreisedatum. Nicht einmal mein Ausreiseticket wollten die sehen und ich hab mir so einen Kopf drum gemacht. Ganz sicher ist es die Ausnahme und du solltest bei einer Reise nach Indonesien immer ein Ausreiseticket dabei haben.

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Schon als wir die Abfertigung verlassen, werden wir von drei Motorrad-Taxifahrern bedrängt. Sie bieten uns die Fahrt auf drei Motorrädern für je 30.000 Rupiahs (2.40 Euro) an und wir schauen uns entgeistert an. Nein sage ich, wir gehen zu Fuß. Unsere Freundin schaut mich an und erklärt mir, es seien 7 km und verdammt heiß. Wir verlassen erstmal den Grenzübergang und schauen uns um während die drei immer noch an uns kleben. Und schon kommen uns die nächsten entgegen gelaufen und wir einigen uns bei einem für ein Tuk Tuk auf 30.000 Rupiah (2.40 Euro) zusammen. Dass wir uns bereit entschieden haben für einen Fahrer scheint aber keinen weiter zu interessieren und selbst noch während der Fahrt versucht es einer weiter und verweist auf sein besseres Tuk Tuk.

Von Melakka nach Sumatra am Busterminal in Dumai

Wir landen am Busterminal und kaufen die Tickets (17 Euro pro Sitz) nach Parapat aus gestückelten Geld mit malayischen Ringits und Euros und in mir kommt ganz langsam das Gefühl des abgezockten Touristen hoch. Schon lange hatte ich das nicht mehr und ich überlege grad ob ich es jemals so empfunden habe. Unsere Freundin vergleicht es ein klein wenig mit Indien. Der Bus soll 8 Stunden brauchen sagt man uns und es bleibt noch genug Zeit, um etwas zu essen. Die Frage ob das Schlafen im Bus möglich sei, bejaht man uns. Die Art und Wiese wie man uns behandelt und betrachtet, macht am Ende das Gefühl aus. Abfahrt um 17 Uhr.

Wo Mercedes drauf steht, ist nicht immer Mercedes drin

Ich gehe mit Jannik noch auf die Toilette als uns ein uralter und fast verosteter Bus entgegen kommt. Jannik sagt noch, das ist sicher unser und ich schüttle den Kopf. Und plötzlich muss alles ganz schnell gehen. Unsere Freundin winkt uns schon entgegen „Lauf, lauf“ und eh wir uns versehen ist unser Gepäck in einem Kofferraum verstaut, der mit einer rostigen Schraube verschlossen wird. Gedanklich habe ich mich schon von meinem Rucksack verabschiedet. Gut, dass ich die wertvollsten Dinge immer bei mir trage. Aus den Sitzen schauen schon einige Federn und die Tür wird von einem Beifahrer manuell geschlossen gehalten. Der versprochene Ventilator funktioniert nur bei Fahrt in Form von Fahrtwind und neben ungefähr 15 rauchende Mitfahrer gibt es nur eins, was mich grad zufrieden stimmt. Die fröhliche Gesangseinlage der Einheimischen im Bus.
 

Jalan Jalan bedeutet spazieren fahren und schauen

Die Fahrt entwickelt sich mehr und mehr zu einer Qual und vor allem das Rauchen fast aller Anwesenden beginnt mich wütend zu machen. Damit sich mein Gemüt wieder beruhigt bekommen wir dann etwas zum Staunen und Schmunzeln. Dieser alte klapprige und fast auseinander fallende Bus hält und lädt einen Motorroller ein, indem einfach zwei Sitze entnommen werden während die Fahrgäste das schwere Teil die Treppe hochziehen. Willkommen auf Sumatra schießt es mir in den Kopf und ich muss lachen. Man hatte mich vorgewarnt, das Reisen auf Sumatra ist speziell, es ist anders und unterliegt keiner Regel und wenn es eine Regel gibt, dann die, dass alles geht aber eben alles zu seiner Zeit. Jalan Jalan sagt man hier.
 

Die erste Panne auf unserer Reise von Melakka nach Sumatra

Bereits einige Minuten später folgt die erste Panne, ein wenig knattert es und dann verstummt der Motor. Der Fahrer, sein Assistent und zwei Passagiere steigen aus, schrauben ein wenig herum und es geht weiter. Das wäre es jetzt noch am späten Abend, denke ich mir. Was soll ich sagen? Die nächste, übernächste und über übernächste Panne folgt zeitnah. nach etwa einer Stunde und mitten in der Nacht halten wir. Alles aussteigen, nix geht mehr. Gepäck aufnehmen und warten heißt es. Nächster Bus kommt bald, heißt es. Tatsächlich fahren viele Busse an uns vorbei aber keiner scheint in unsere Richtung zu fahren oder er ist bereits belegt. Jannik und unsere Freundin machen es sich nach etwa 2 Stunden des Wartens auf dem Boden bequem während ich mich mit einer Gruppe Jugendlicher unterhalte, die mich vor den kriminellen Indonesiern und Lebensmittelvergiftungen warnen. Die haben es richtig drauf, ihr Land attraktiv zu machen.
 

Weiter geht die Fahrt

Endlich ist es soweit, nach etwa einundhalb Stunden des Wartens hält ein Bus in unsere Richtung. Alles Sitze sind belegt aber das macht nichts, auf Sumatra ist man gegen alles gewappnet und so werden kurzerhand die Plastikhocker im Mittelgang verteilt. Ich sehe uns schon gestapelt im Mittelgang als uns der Fahrer die Tür aufmacht und uns den Platz zwischen ihm und seinen Beifahrer anbietet. Zumindest wird jetzt niemand seine Füße auf unseren Schoß legen. Jannik ist total begeistert von diesem Platz und lenkt in seiner Phantasie den Bus ganz alleine. Ich hingegen bekomme hier vorne im Fahrerhaus Dinge mit, die ich nicht sehen will.

Was passiert eigentlich im Nachtbus auf Sumatra?

Wenn du schonmal einen Nachtbus genommen hast, vielleicht auch in Südoastasien oder anderswo, wo die Menschen es nicht so mit den Verkehrsregeln haben, dann hast du sicher mal die ein oder andere Kurve erlebt, in der du dich fragst „was zum Henker macht der Fahrer da bitte?“. Nun gut, ich bekomme auf dieser Fahrt einen ganzen Berg an Antworten auf diese Frage. Während Jannik ziemlich schnell einschläft und von dem Arm unserer Freundin von dem ebenfalls schlafenden Beifahrer abgeschirmt wird, schwitze ich tausend Tode. Überholmanöver in den Kurven, auf den durchgezogenen Linien, in der kompletten Dunkelheit und auf Brücken. Manche gelingen hervorragend, andere sind so knapp, dass sie selbst den Beifahrer aus dem Schlaf rütteln. Dieser wütet ein wenig während der Fahrer lacht. Es scheint fast wie ein Sport zu sein, frei nach dem Motto einer geht noch. Der Fahrer wird immer müder und sein Kollege schläft ebenfalls, ich stoße ihn an….no sleeping, sag ich und er lacht mich an. Er stimmt ein Lied an und wir klatschen begeistert mit. Ich sehne den Sonnenaufgang herbei und zähle jede Minute. Auf dem Handy verfolgen wir unser Fortkommen und sind überglücklich als es gefühlt nur noch eine Stunde entfernt ist. Ich bin echt froh, dass Jannik so reiseresistent ist. Nicht auszudenken wenn ich jetzt noch ein quengelndes Kind dabei gehabt hätte.

Wir haben es geschafft von Melakka nach Sumatra ohne Fliegen

Erschöpft und dankbar erreichen wir Parapat nach insgesamt 16 Stunden Anfahrt für gerade einmal 200 km Weg. Hätte mir das jemand vorher gesagt, niemals hätte ich es geglaubt. Ja, das Reisen hier auf Sumatra ist definitiv anders. Dass wir in nur einer einzigen Fahrt alles erleben, was man den Fahrten nachsagt, war vermutlich einfach ein unglücklicher Zufall aber dennoch möchte ich dich bitten, das bei deiner eigenen Reiseplanung zu berücksichtigen. Ich habe bisher keine Fahrten gehabt, die ich vergleichen kann aber meine Freundin meint, es sei vergleichbar mit den Fahrten in indischen Bussen. Weder meine Nachtfahrt auf den Philippinen noch eine andere Busfahrt kann da mit halten. Meine Emotionen und das Gefühl der Hilflosigkeit kann ich aber ungefähr mit unserer Zugfahrt in China vergleichen.

Ankunft am Lake Toba und ab nach Samosir Island

Von Parapat am Lake Toba geht es mit der Fähre (1.50 Euro) rüber nach Samosir Island, einer Insel auf dem Kratersee, die so groß wie Berlin sein soll. Erst hier realisiere ich endgültig welche Strapazen wir die letzte Nacht erlebt haben und wenn ich ehrlich bin, habe ich es mir nicht so kompliziert vorgestellt als man mir sagte, das Reisen auf Sumatra sei anders und keine Strecke sei unter einem Tag Anfahrt zu schaffen. Nun weiß ich es besser und freue mich auf erholsame Tage und ganz viel Nichtstun am Lake Toba.

Tipps, die dir helfen auf Sumatra zu reisen

Wenn du nach Sumatra mit Kind reist und es etwas komfortabler haben willst und auch mit mehr Zeitersparniss,

  • solltest du einen Flug nach Medan in Betracht ziehen. Von dort ist die Anreise viel einfacher weil es deutlich mehr Busse gibt und diese auch mit Abstand moderner sind.
  • Es gibt auch sogenannte Shared Taxis, nicht ganz günstig aber dafür deutlich schneller weil die erstens auch die engeren Straßenabschnitte fahren können und zweitens nicht überall anhalten und dort alles einsammeln.
  • Stell dich in den Fahrzeugen auf Rauchen ein. Für die Menschen auf Sumatra ist das völlig normal und dass es gesundheitsschädlich für die Kinder ist, scheint hier niemand ernst zu nehmen.
  • Hab genug Reiseproviant dabei denn unterwegs wird selten für Essen gehalten und wenn dann oft an überteuerten Stationen.
  • Hab eine kleine Decke dabei falls du in den Genuss eines moderneren Busses kommst und tatsächlich etwas Klimaanlage erleben darfst.
  • Wenn du dich im Vorwege genauer vorbereiten möchtest findest du *hier die passende Reiselektüre.
Stephi
Alleinerziehend.Reisesüchtig.Freiheitsliebend.Alternativ.

4 Comments

  1. Hallo ihr lieben,das war ja eine ganz schöne zittrige fahrt ich freue mich über dein ausführlichen Bericht mal wieder und ebenso und ganz dollndas ihr heil und gesund an Euren Ziel angekommen seit.
    Ich frage mich aber ob es eine verdammt blöde Idee war so mit den Bus zu reisen oder ob man hätte lieber den Flieger nimm sollte.Wo immer Euch die nächste Reise hinführt bitte nicht wieder diesen Bus nehmenpasst auf Euch auf!!!!Ich werde selbstverständlich den Spendenknopf *wie könnt ihr uns unterstützen*klicken damit ihr leichter eures nächste Reiseziel erreicht falls es lieber per Flugzeug weiter gehen soll…Mich würde interessieren was ein Flugticket kosten würde zu dein nächstes Ziel…
    Lieben Gruß aus Hamburg

  2. Viele liebe Grüsse aus Wien und Euch noch eine wunderschöne Traumzeit . Wir hatten uns in Melakka getroffen und ich war so begeistert von Jannik . Eines Eines seiner Bilder hängt an meiner Wand. Nach meiner weiteren Reise durch Myanmar bin ich im normalen Leben zurück und erinnere mich gerne an diesen kurzen Augenblick.
    Lg
    Thomas

    1. Lieber Thomas…wie schön hier von dir zu hören. Ich erinnere mich sehr gut an unserer Unterhaltung. Ich liebe auch diese kurzen Momente, an die man sich so gern erinnert. Manchmal spreche ich mit Jannik darüber was wir erlebt haben und wen wir getroffen haben und an manche Menschen erinnert er sich mehr. Mit jemanden deutsch zu sprechen ist dabei natürlich immer ein Highlight für ihn und so hast du auch einen Platz in seiner Erinnerung. Er weiß noch genau wer du bist. Ganz liebe Grüße an dich

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