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Borneo, über Emotionen und Veränderung

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Borneo, Emotionen und Veränderung

Borneo öffnet mein Blick für Neues

Borneo, die drittgrößte Insel der Welt und einer der letzten Plätze dieser Erde, wo es noch intakte Regenwaldarenale gibt. Borneo beherbergt mit Brunei, Malaysia und Indonesien drei Länder. Vielmehr will ich dann auch gar nicht geographisch eingehen, denn heute möchte ich über etwas anderes schreiben. Es geht nicht um Sightseeing oder Abenteuer. Ich möchte darüber schreiben, was Borneo mit uns gemacht hat. Es geht um Emotionen, um das Wilde und um das Verändern.


Auf gehts nach Borneo

Borneo ist schon allein wegen seiner Orang Utans und den Regenwäldern lange auf meiner viel zu langen Bucketlist. Ich wusste, unsere Reise geht weiter aber ehrlich gesagt wusste ich nach Melaka gar nicht so genau, wo und wie es weiter geht. Es stand neben Borneo noch Indonesien, und damit meine ich nicht Bali, zur Auswahl. Letztlich hat die Münze entschieden. Dieses Auswahlverfahren habe ich tatsächlich das erste Mal betrieben.  Jannik ist sehr leicht für die Insel zu begeistern und ich freue mich auf neue Abenteuer. Unser Flug geht, nach eine komfortablen Nacht am Terminal, dann von Kuala Lumpur nach Kuching, der Hauptstadt von Sarawak. Sarawak ist eine eigene Verwaltungszone und gehört zum malayischen Teil von Borneo.

Die ersten Eindrücke auf Borneo

Ankunft am Morgen und die erste Hürde ist dann die Bushaltestelle zu finden. Einheimische haben Mitleid mit uns, halten am Strassenrand an und nehmen uns mit in die Stadt rein. Wir unterhalten uns als würden wir uns schon Jahre kennen und ich spüre bei all der gewohnten malayischen Freundlichkeit und Herzlichkeit ist hier noch etwas anders. Ich finde noch keine Worte dafür aber es ist ein erstes Gefühl, dem ich mich hingebe. Wir lassen uns zur Kuching Waterfront bringen und schauen dann nach einer Bleibe. Schnell und nach einigen Verhandlungen auch günstig gefunden. Auf gehts. Die Umgebung will erkundet werden. Hatte ich erwähnt, dass Kuching auch Cat City genannt wird? Im späteren Verlauf erfahren wir eine ganz banale Erklärung dazu. Kuching ist das malayische Wort für Katze. Dem Namen aller Ehre gemacht, findest du hier riesige Katzenstatuen und das einzige Katzenmuseum weltweit.

Ein Abend auf Borneo, der mein Herz öffnet

Am Abend schlendern wir an der Waterfront entlang. Jannik trällert einige Lieder auf seiner Ukulele. Er ist dabei so wild und frei wie ich ihn kenne. Etwas passiert mit mir. Ich habe ein klein wenig Schmetterlinge im Bauch und fühl mich durch sie beflügelt. Nein, ich bin nicht verliebt aber irgendetwas liegt hier in der Luft und ich kann es spüren.  Wir treffen auf Musiker und eine Gruppe Backpacker aus aller Welt. Jene Menschen, die die Welt verändern wollen, die wie ich, nicht in das System passen. Jene Menschen, die man als Querdenker bezeichnet. Wir bleiben hier und halten die Welt an. Für die nächsten 30 Minuten dreht sie sich nicht weiter. Wir singen, wir tanzen und genießen. Und während Jannik gemeinsam mit den Musikern für das Entertainment sorgt, beginne ich zu begreifen was hier grad mit uns passiert. Ich horche den Geschichten der anderen Langzeitreisenden und merke wie sie immer wieder das Wort “wild” benutzen. Das wilde Borneo hat mich verändert, tönt es aus einem der Münder. Ich erkenne die Wahrheit seiner Worte. Sollte es etwa genau das sein, was ich in der Luft spüre? Das Wilde der Insel? Vielleicht auch das Wilde in uns?

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Das wilde Borneo als Therapie?

Ich bin ein Mensch, der sich durch rationelle Gedanken gut abschotten aber auch genauso gut von Emotionen leiten lassen kann. Wer mich kennt, weiß, ich bin in vielen Dingen extrem. Ich kann “brav” sein aber ich kann auch “wild” sein. Irgendwas dazwischen fällt mir schwer. Allein schon die Tatsache, dass ich ohne Finanzpolster samt Kind aus dem System ausgestiegen bin, zeigt dir auch ein wenig von meinem Charakter. Jeder von uns hat etwas Wildes in sich und doch fällt es uns so schwer, es zuzulassen. Vielleicht braucht es genau diese besonderen Orte, um das Wilde als gleichwertig anzuerkennen? Der letzte Abend hat mich nachhaltig geprägt und plötzlich betrachte ich alle Begegnungen mit anderen Augen. Ich sehe meinen wilden Jungen, frei von Wertvorstellungen und voller Energie, voller positiver Gedanken und auch ein wenig “böse”. Er fragt nicht, was richtig oder falsch ist, er tut es. Er lässt sich von seiner Neugierde leiten. Und manchmal schäme ich mich dafür, dass den Kindern so viele Grenzen gesetzt werden. Wir sollten viel mehr von ihnen lernen. Gestern Abend haben sie ihn vergöttert, wie er völlig wertfrei und aus reinem Herzen heraus, den Abend gerockt hat. Borneo hat auf mich eine therapeutische Wirkung.

Wir bleiben auf Borneo

Borneo hat uns voll in seinen Bann gezogen und ich will mehr von diesem Gefühl. ich entscheide mich gegen eine Rundreise und wir bleiben in Kuching weil mich die Menschen hier so berührt und geprägt haben, weil wir bereits nach einem Abend Freundschaften geschlossen haben. Ich finde ein Workaway nahe der Waterfront und alles scheint für diesen Moment perfekt zu sein. Ich bin bereit für die Gleichberechtigung meiner instinktiven Charakterzüge, für das animalische in uns allen. Bereit für etwas, was wir oft beiseite schieben weil es nicht gesellschaftstauglich ist. Bereit für etwas, das wir sonst nur im Rausch zulassen, unter Alkohol oder gar Drogen. Ich bin bereit für eine Trunkenheit, die mich heilt von Norm und Zwänge. Die Leute, die wir hier auf Borneo kennen gelernt haben, haben diese Veränderung schon erlebt. Ich entdecke ein ganz anderes Malaysia. Ein wildes und intensives Malaysia. Vielleicht sind es die vielen verschiedenen Völkergruppen, die Borneo so prägen? Was immer es ist, ich will es heraus finden und deswegen bleiben wir. Ich will dir mehr davon berichten, mehr von dem wilden Borneo, welches seine Botschaft in jede meiner Zellen verbreitet.

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Wieviel “wild” steckt eigentlich in dir?

Borneo hat in mir ein Tor geöffnet. Das Tor zu meiner wilden Seite, der ich bislang viel zu wenig Beachtung geschenkt habe. Ich erkenne diese Seite nun als absolut gleichwertig zu meiner liebevollen Seite an. Ich tanze wenn ich es will, ich singe, weil ich es will und ich fühle mit jeder Zelle in mir, was gefühlt werden will. Warum ist es so schwer, das Wilde in uns zuzulassen? Sind es die Prägungen, die wir als Kind erleben? Sind es gesellschaftliche Normvorstellungen? Ist es die Kultur oder die Religion? Ist es ein Mix aus allem? Warum fällt es den Naturvölkern so leicht, wild zu sein während wir in der “zivilisierten” Welt so selbst kontrolliert sind? Wie wild bist du?


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Stephi
Alleinerziehend.Reisesüchtig.Freiheitsliebend.Alternativ.

4 Comments

  1. Liebe Stephie, wieder einmal ein ganz toller Beitrag. Geistig bin ich wie immer bei euch.
    Ein Freund hat mich vor kurzem gefragt, wer für mich der mutigste Mensch ist den ich kenne. Der bist du und ich hoffe sehr, das ihr beide noch viele schöne Erlebnisse auf eurer Reise habt. Alles gute!

  2. Hallo Stephi, es ist 2:30 Uhr morgens und ich kann nicht aufhören, deinen Blog zu lesen. Mann Mann, unsere beiden Söhne und ich gehen im März auch wieder nach Asien. Vielleicht laufen wir uns ja mal über den Weg? Das fände ich wirklich spannend. Unsere Kinder sind noch etwas kleiner, haben aber auch schon sehr viel Reiseerfahrung. Der Große ist in Kambodscha geboren, der Kleine in Tschechien. Hier unsere Homepage – leider sträflich un-aktualisiert, aber ich gelobe Besserung: http://www.cycle-for-a-better-world.org. Ganz liebe Grüße aus dem winterlichen-dunkel-kaltem Bayerischen Wald! Sybille

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