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Unsere Begegnungen in Loikaw

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Begegnungen in Loikaw

Begegnungen in Loikaw abseits der Touristenpfade

Unsere Reise in Myanmar geht weiter und führt uns nach Loikaw, der kleinen Hauptstadt des Kayah Staates im Osten Myanmars an der Gernze zu Thailand. Von Yangon aus nehmen wir den Nachtbus. Ich freue mich besonders auf Loikaw, denn hier treffen wir einen beeindruckenden Jungen, mit dem ich schon zuvor in Kontakt stand. Nyan ist 14 Jahre alt, ein ehrgeiziger Junge, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, seine Kultur mit jedem zu teilen, der interessiert ist. Solltest du also einmal nach Loikaw kommen, bitte scheu nicht davor zurück, mich zu kontaktieren. Denn ich weiss, Nyan und seine Familie freut sich über jeden neuen Kontakt.

Unsere Fahrt nach Loikaw

Nach Loikaw verirren sich nicht viele Touristen denn es liegt abseits der Toruistenpfade und der Kayah Staat hat erst seit wenigen Jahren seine Pforten fuer Touristen geöffnet. Das spürst du vor allem dann wenn du nach einem Hotel suchst. Wir wählen das Hotel Nan Ayar (15.000 Kyat), welches fernab von Luxus liegt aber die Besitzer waren sehr bemüht unseren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Generell ist der Standard in Myanmar nicht besonders hoch, was die Unterkünfte angeht, dafür aber verhältnismäßig teuer. Du solltest also keinesfalls die gleichen Ansprüche haben wie beispielsweise in Thailand, wo du für 20 Euro schon eine kleine Luxusbleibe bekommen kannst. In Myanmar zahlst du für den gleichen Standard locker das Doppelte.

Ankunft in Loikaw und das Gefühl ein Teil zu sein

Als wir Loikaw erreichen, ist Nyan bereits auf den Weg uns abzuholen mit seinem Vater und lädt uns direkt zu sich nach Hause ein. Jannik braucht wie immer keine fünf Minuten, um sich mit der ganzen Familie anzufreunden. Selbst die Fische stehen auf ihn. Die Nachbarskinder bekommen schnell Wind davon, dass hier ein Junge mit “goldenem” Haar zu Besuch ist und stellen Fahrrad und Dreirad bereit, um Jannik aus dem Haus zu locken. Ich kann es nicht wirklich in Worte fassen aber ich fühle mich ein wenig als wären wir schon seit Jahren ein Teil der Familie. Alle Tanten stürmen sofort herbei und wollen uns bekochen. Wir lachen, wir albern rum und genießen den Austausch. Nyan spielt bei alledem den Übersetzer und ist dabei super selbstbewusst. Kaum zu glauben, dass er erst 14 Jahre alt ist und in einem Land lebt, wo die englische Sprache grad noch in den Kinderschuhen steckt.

Begegnung mit einer Langhalsfrau

Am nächsten Tag machen wir uns auf nach Demosoe. Dort gibt es einen kleinen authentischen Farmermarkt jeden Mittwoch, der von allen umliegenden Dorfbewohnern besucht wird und die Chance hier eine der berühmten Langhalsfrauen aus den Karenhügeln zu treffen, ist sehr groß. Per Anhalter machen wir uns stückchenweise ins etwa 10 km entfernte Demosoe und erleben dabei die tollsten Begegnungen. Wir fahren ein Stück auf dem Motorrad mit, in einem kleinen Van und gehen gemeinsam mit den Kühen auf der Straße. Und wie so oft, sind wir die Attraktion. Es verirren sich nicht viele Touristen in diesen Teil Myanmars. Nach etwa 1,5 Stunden ist es es geschafft und wir stehen mitten auf dem Marktplatz. Jannik entdeckt die erste Langhalsfrau. Diese Begegnung ist so authentisch und hat nichts mit den eigens für Touristen erbauten kleinen Dörfern zu tun, die man aus Thailand kennt. Es fühlt sich so echt hier an und sie spricht so gar ein wenig englisch. Warum sie einen so langen Hals hat, will Jannik von ihr wissen. Sie zwinkert ihm zu und erklärt ihm, dass ihr Hals gar nicht so lang ist wie er aussieht aber durch den Schmuck sieht er viel länger aus. Warum trägt sie denn den Schmuck? Sie erklärt Jannik, dass man früher glaubte, es würde Drachen und Vagabunden davor abschrecken, die Frauen zu klauen. Jannik ist beeindruckt und mit dieser Antwort vollends zufrieden.

Wir kehren um und fahren in die kleinen Dörfer

Es geht weiter, wir wollen den Weg in die Berge wagen. Wollen eines der Karendörfer besuchen. Es ist Nebensaison hier und es fährt kein Verkehrsmittel in die Berge rein und so versuchen wir es erneut per Anhlater, scheitern jedoch kurz vor dem Hügel. Eine Frau stürmt aus dem Haus, als sie uns sieht. Sie fragt, wohin des Weges und ich erkläre ihr dass wir in die Berge wollen. Sie rät uns dringend ab, erklärt uns, es sei zu gefährlich. Auf dieser Strecke treiben sich viele dubiose Gestalten rum und sie schaut Jannik besorgt an. Please don’t go, sagt sie inständig. Ich schaue hinauf zu den Bergen und entscheide mich dazu, ihren Rat zu befolgen. Den Rückweg treten wir dann auf der Ladefläche eines Gemüsetrucks an. Das Highlight dieser Fahrt ist der Abtransport des Gemüses in die vielen kleinen Dörfer,hinausströhmende Kinder, die uns fröhlich zuwinken und ein Gefühl, dass mir ewig in Erinnerung bleiben wird. Ja, ich liebe diese Begegnungen so sehr. Sie sind so echt, so lebendig und so unvergesslich. Und Jannik? Der strahlt übers ganze Gesicht und freut sich in dem schaukelnden LKW voller Gurken und Tomaten zu sitzen.

Die Thiri Mingala Pagode

Am nächsten Tag holt uns Nyans Vater in unserem Hotel ab. Gemeinsam holen wir Nyan von der Schule ab und du kannst dir sicher die vielen Gesichter der einheimischen Kinder vorstellen als auf einmal Jannik auf dem Schulgelände steht? Nur schwer gelingt es uns, Jannik hier loszureißen und unsere Reise in eine der berühmtesten Pagoden des Kayah Staates anzutreten. Die Thiri Mingala Pagode ist deshalb so besonders weil sie auf und in einen kleinen Berg hinein gebaut ist. Viele Wendeltreppen, Brücken und Leitern verbinden die kleinen und großen Teile der verschiedenen Gebetsorte. Fast schon gleicht es einem Märchenschloss. Die Aussicht über Loikaw ist fantastisch. Janniks Highlight an diesem Tag ist das gemeinsame Spiel mit den Mönchskindern. Nach einem vorsichtigen Herantatsetn, spielen sie ausgelassen Fangen und lachen gemeinsam, obgleich sie kein Wort voneinander verstehen. Ich bin stolz auf diesen aufgeweckten und offenen kleinen Mann.

Abschied nehmen aus Loikaw

Wir besuchen noch zwei weitere kleine Pagoden abseits von Loikaw, wo ich die Chance bekomme, mit einem der Mönche ins Gespräch zu kommen. Man lädt uns ein, länger zu bleiben und nur zu gern möchte ich dieses Angebot annehmen aber unser Visum neigt sich langsam dem Ende zu und auch unser Geld ist jetzt quasi abgezählt bis auf den letzten Cent und so entscheide ich mich schweren Herzens gegen die Einladung. An dieser Stelle fühle ich mich das erste Mal seit langem nicht frei. Freiheit hat für mich bislang bedeutet, auch spontane Entscheidungen treffen zu können und Pläne zu ändern aber diesmal zwingt uns vor allem das Geld in die Knie. Diese Erfahrung hat noch lange Nachwirkungen auf mein Gemüt. Wir beenden einen aufregenden Tag in Loikaw mit einem tollen Essen in Nyans Familie und nehmen noch am Abend den Nachtbus nach Yangon.

Was ich in Loikaw gelernt habe?

Loikaw hat mir neben einer ganz besonderen Gastfreundlichkeit vor allem noch etwas ganz wichtiges gelehrt. Ich bin nicht so frei, wie ich es mir wünschen würde. Geographische Grenzen, Visabestimmungen, sprachliche Barrieren und fehlende Finanzen schränken mich deutlich mehr ein als ich mir bisher eingestanden habe. Habe ich doch bisher immer geglaubt, ich brauche nichts, so habe ich mir hier gewünscht, ich hätte mehr Mittel, diesen Teil Myanmars weiter und tiefer zu erkunden. Ja, vielleicht spreche ich an dieser Stelle, verglichen mit den lokalen Bedingungen, von einem Luxusproblem und fast schäme ich mich für meinen Wunsch nach mehr und dennoch löst diese Erfahrung etwas ganz neues in mir aus, das ich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal beleuchten werde.

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Stephi
Alleinerziehend.Reisesüchtig.Freiheitsliebend.Alternativ.

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