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Unsere erste Zeit auf Koh Phayam

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Koh Payam

Ankunft auf Koh Phayam

Vom Südterminal in Bangkok geht es mit dem Nachtbus nach Ranong und von dort mit dem Boot nach Koh Phayam und bereits beim Warten in Bangkok schafft es Jannik wieder einmal eine thailändische Fangemeinde um sich zu vereinen. Die Verwirrtheit um das Geschlecht sorgt wie so oft für Aufsehen. Lange Haare gibt es in Asien nur bei den Mädels aber spätestens alsJannik wie eine wilde Hummel und im Propellergang über den Busbahnhof fegt, bekommen meine Worte “It´s a boy” Bedeutung.

Von Bangkok nach Koh Payam mit dem Nachtbus

Die Fahrt ist relativ entspannt in unserem Doppeldeckerbus, schlafen geht jedoch bei mir eher schwer und um 5 Uhr in der Früh erreichen wir den Busbahnhof in Ranong, wo wir gleich beim Aussteigen schon zum Minibus gelenkt werden. Puhhhh…..eigentlich wollte ich kurz durchatmen, zumal wir das Slowboat um 9:30 nehmen wollen und dadurch massig Zeit haben. Aber was soll´s? Dann eben rein in den Minibus und ab zum Pier. Am Ende werden wir mit interessanten Gesprächen und kostenlosem WIFI belohnt. Um kurz nach neun werden wir von einer durchgeknallten Pick-Up Fahrerin eingesammelt, die uns zum anderen Pier fährt, da die Ebbe die Fähre nicht ankommen lässt. Sie erzählt mir, dass die Fähre im Familienbesitz ist, ihr Vater der Kapitän, die Tochter die Ticketverkäuferin, ihr Sohn der Koordinator und während sie auf der strecke einen Haufen Leute einfach aus den Weg hupt, hoffe ich, dass der Rest der Familie ausgeglichener ist.

Mit dem Slowboat von Ranong nach Koh Phayam

Die Fahrt ist wirklich sehr entspannt und Jannik findet sogar zu einem kurzen Schläfchen. Ich bereue keinen Moment das Slowboat genommen zu haben und bestaune die herausragenden Felsinseln, wir fahren vorbei an Koh Chang, der größeren Insel des Nationalparks und legen auf Koh Payam an. Jenny und Alex haben uns ein kleines Bungalow im Coconut Beach resort reserviet und ich freue mich wahnsinnig die beiden wieder zu treffen, die wir vor drei Jahren auf Koh Tao kennen gelernt haben und nie den Kontakt verloren haben. Ich bin immer noch sehr berührt von ihrer Einladung und möchte mich an dieser Stelle noch einmal für das tolle Geschenk bedanken.

Koh Payam und die Liebe auf den ersten Blick

Bereits der Weg auf dem Motorradtaxi lässt ein unbeschreiblich schönes Gefühl in mir aufkommen und ohne den Strand gesehen zu haben, entscheide ich, hier bleiben wir länger. Warum? Weil es keine Autos hier gibt, weil ich erstaunlich viele Kinder sehe, weil die ganze Insel eine besondere Gelassenheit versprüht, weil es sich anfühlt wie Thailand vor 40 Jahren, weil ich mich auf den ersten Blick verliebt habe. Es ist am Ende nicht der perfekte Strand oder der perfekte Sonnenuntergang, der mich dazu bewegt, es ist viel mehr ein Mix aus den vielen kleinen Dingen. Die Tatsache, dass es hier viele inder gibt, die zudem auch noch deutsch sprechen, machen am Ende den perfekten Ort für uns aus. Auf einer kleinen Starndparty lernen wir die Jungs Carlos und Oscar kennen, zwei Brüder, die sowohl Jannik als auch ich sofort ins Herz schließen und die fortan Janniks beste Freunde hier werden. Die Eltern sind so hilfsbereit wie ich es selten erlebt habe und mir somit auch im späteren Verlauf immer wieder eine große Hilfe.

Deutsche auf Koh Payam

Viele Deutsche um sich zu haben, hat viele Vorteile, wenn man alleine mit Kind auf Reisen ist aber es bringt auch Nachteile. Die Deutschen gelten als nicht besonders kinderfreundlich und das zeigt sich auch hier auf der Insel hin und wieder und so beschweren sich in dem ein oder anderen Resort immer mal wieder Gäste über Kinderlärm. Es ist schwer, alle Interessen unter einem Hut zu bringen und so bemühen sich die Betreiber um Kompromisse, die eine lärmfreie Zeit vorsehen. Mich betrübt es, denn es erinnert mich daran, was mir in Deutschland nicht gefallen hat. Kinder sind keine Roboter, die man an- und ausschalten kann und nach meiner Auffassung sollen sie auch nicht als solche behandelt werden. Sie lernen viel zu früh, einfach nur zu funktionieren und Anweisungen zu folgen, die eigentlich nicht richtig sind und auch nicht hinterfragt werden dürfen. Sind sie zu wild, zu aufmüpfig oder neugierig, stimmt was nicht mit ihnen.

Campen auf Koh Payam

Mittlerweile sind wir mit unserem Zelt im Friends Bungalow und schaffen es sehr kostengünstig unterzukommen. Auch hier gibt es Kinder um uns und mir verschafft es etwas Freiheit. Mittlerweile sind es soviele Kinder, dass wir schon eine kleine Kidnergartengruppe aufmachen könnten. Alles scheint perfekt aber dann komm ich zur Ruhe und nach 15 Jahren in einem Leben auf der Überholspur zeigt mir mein Körper nun mehr als deutlich, es reicht. Nachdem mich ein Hundebiss lahm legt, bekommt erst Jannik einen Infekt mit Fieber und Bronchitis und dann ich. Janniks Fieber ist nach 4 Tagen und homöopathischen Mitteln gut überstanden, der Versuch es ihm gleich zu tun ist für mich spätestens nach 5 Tagen gescheitert. Es geht mir zunehmend schlechter, mein Lungenvolumen scheint nicht mehr vorhanden und jeder Gang ist eine Tortur für mich.

Es geht mir schlecht

Ich werde versorgt so gut es geht. Man nimmt mir Jannik stundenweise ab, bringt mir Medikamente mit, die burmesische Küche hier braut mir einen Kräutercocktail, ich trinke 5 Liter warmes Wasser pro Tag, frischen Ingwertee mit Limette aber nichts wirkt. Ich beginne mit dem Antibiotika, besuche die Krankenstation, wo man mir den Verdacht auf einer Lungenentzündung diagnostiziert und mir das Krankenhaus in Ranong empfiehlt, ich lehne ab und wir erhöhen das Antibiotika. Endlich, das Fieber bleibt aus, der Husten aber hält sich hartnäckig, raubt mir Schlaf und Kraft. Ein Abhusten funktioniert oft nur morgens in kleinen Mengen. Nun legt mich dieser Infekt schon über zwei Wochen komplett lahm und ich bin es leid aber zeitgleich merke ich, dass mein Körper zur Ruhe kommt und vermutlich ist genau das, was mir mein Körper mitteilen wollte. Ich merke, je mehr ich diesen Infekt aktzeptiere und annehme, desto besser geht es mir. Ich will mich nicht beklagen, denn es gibt sicher schlimmere Orte, um eine vermutete Lungenentzündung auszukurieren.

Warum wir bleiben

Obwohl uns hier soviele Dinge passieren, die für mich auf den ersten Blick wie Boykott scheinen, wollen wir bleiben. Der Hundebiss, die Infekte und das teure Inselleben haben Spuren hinterlassen. Dass Janniks bester Freund und eine der tollsten Familien, die ich je kennenlernen durfte, bereits die Insel verlassen hat, hat Koh Payam auch ein wenig verlassener für uns gemacht. Und trotzdem. Wir werden noch bleiben. Warum? Weil mein Körper noch nicht zur Ruhe gekommen ist, weil das Geld langsam alle geht, weil weitere Ideen her müssen, weil ich aktuell an zwei Büchern schreiben und diese hier noch fertig stellen möchte und weil Jannik genau auf dieser Insel das Schwimmen lernen möchte. Immer wieder werde ich gefragt, warum ich es nicht schaffe Thailand zu verlassen und immer wieder in Thailand lande. Die Antwort ist ganz einfach, weil es sich richtig anfühlt, weil ich mich bisher nirgends so wohl gefühlt habe wie in Thailand und es immer wieder eine Art Zuhause für uns darstellt.

Ein detaillierter Bericht zu Koh Payam inklusive Resortvorschläge folgt auch bald.

 

Stephi
Alleinerziehend.Reisesüchtig.Freiheitsliebend.Alternativ.

6 Comments

  1. Liebe Stephie,
    ich schicke dir ganz liebe Genesungsgrüße auf eure Trauminsel. Dein Beitrag hat mich an vielen Punkten wieder einmal berührt. Vor allem der Teil mit der deutschen Mentalität ist so wahr. Ich merke es auch immer wieder, wenn ich mit der Kleinen aus dem Urlaub zurück bin. Im Alltag hat man sich längst schon an die Kontrollen und Bevormundungen gewöhnt. Ich hoffe, es geht dir bald besser, dein Körper erholt sich von allem und du kannst die Insel in allen Zügen genießen.

  2. Ein interessanter Einblick in ein Aussteigerleben mit allen Höhen und Tiefen. Mir gefällt vor allem deine Ehrlichkeit. Es ist nicht immer alles schön im Paradies.

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