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Ein Leben in Nepal, eine Mutter stellt sich vor

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Leben in Nepal

Gastbeitrag einer alleinerziehenden Mutter aus Nepal

Nepal steht noch ganz oben auf meiner Liste der Länder, die ich ganz bald besuchen möchte aber wie ist eigentlich das Leben in Nepal? Was bewegt jemanden zu einem Leben in Nepal und das auch noch mit Kind? Auf unserer Reise lerne ich immer wieder tolle Menschen kennen und alle sind einzigartig aber ganz besonders freue ich mich über den Kontakt zu anderen Müttern, die einen ähnlichen Weg wie wir gehen. Auch wenn wir zwar auf Reisen sind und keine Homebase mehr haben während Eva mit ihrer Tochter Miriam in Nepal ein neues Leben angefangen hat, haben wir doch eins gemeinsam. Wir sind ausgestiegen aus einem System, das uns nicht mehr stand. Auf der Suche nach mehr. In diesem Gastbeitrag bekommst du Eindrücke wie sich das Leben in Nepal gestalten lässt und warum Eva den weiten Weg auf sich genommen hat.

Leben in Nepal mit Kind – Wieso, weshalb, warum, und wie überhaupt?

Bei unserem letzten Besuch in Deutschland hatte ich wieder mal einen dieser Dialoge. „Wären Sie vielleicht an unserem Carsharing System interessiert?“ „Nein danke, ich bin nur zu Besuch in Münster.“ „Ja, aber das gibt es ja sicherlich auch in ihrer Stadt.“ „Nein, das glaube ich nicht.“ „Doch, ganz bestimmt, wo wohnen Sie denn?“ „In Kathmandu.“ „Oh… Naja gut, da gibt es wohl kein Carsharing. Aber wie kommen Sie denn dahin? Und dann auch noch mit Kind? Ist das nicht alles unglaublich schwierig?“

Leben in Nepal mit einem Kleinkind

Viele Menschen mit denen ich über meine Entscheidung spreche, mit einem zweieinhalbjährigen Kind nach Nepal auszuwandern sind erst mal fassungslos und können nicht nachvollziehen, wie man zu so einem Schritt kommt. Bei uns haben am Anfang viele Faktoren eine Rolle gespielt, ich bin mir aber weiterhin sicher, dass es eine der besten Entscheidungen meines Lebens war, Deutschland den Rücken zu kehren. Mittlerweile sind wir seit viereinhalb Jahren hier.

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Warum ich mich auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht mehr wohl fühlte

Meine Tochter wurde zwei Monate nach meiner letzten Diplomprüfung im Fach Geographie geboren, so dass ich direkt von der Studentin zur Hartz 4 Bezieherin wurde. So dankbar wie ich für unsere Sozialsysteme in Deutschland bin, habe ich doch schnell festgestellt, dass ich das auf keinen Fall einen Tag zu lange möchte und habe schnell angefangen, einen Job zu suchen. Und dann fingen die Schwierigkeiten an. Ich habe festgestellt, dass es für mich als Alleinerziehende mit kleinem Baby fast unmöglich war, eine Arbeitsstelle zu finden, die meiner Qualifikation entsprach, obwohl ich weit über 50 Bewerbungen geschrieben habe. Nachdem ich dann ein Jahr als Sekretärin gearbeitet habe und schnell klar war, dass mich das auch nicht ausfüllt, habe ich dann angefangen, auch im Ausland zu suchen.

Und plötzlich beginnt ein neues Leben in Nepal

Als ein Angebot für eine Promotion in Nepal kam habe ich keine zwei Tage lang überlegt. Bloß noch weg und neu anfangen, drei Jahre Ausland klangen in meiner Situation sehr verlockend. Also habe ich unsere Wohnung aufgelöst, meinen Job gekündigt, alle Verträge auf Eis gelegt und im Juli 2012 haben Miriam und ich uns in unser bisher größtes Abenteuer aufgemacht – das Leben in einem kleinen Bergdorf in Nepal. Wir sind mitten in der Regenzeit angekommen, und ich muss schon zugeben, der Anfang war teilweise hart. Nur Regen und Feuchtigkeit, dann hat es irgendwann durchs Dach getropft und einmal hat sogar ein Blitz eingeschlagen. Aber mit der Zeit wurde es leichter. Ich habe in einem landwirtschaftlichen Projekt gearbeitet und Daten für meine Doktorarbeit erhoben, Miriam war tagsüber bei einer örtlichen Familie und hat dort tolle Freundschaften mit anderen Dorfkindern geschlossen. Sie hat die Sprache unglaublich schnell gelernt, die Regenzeit war auch irgendwann vorbei und wir haben uns immer besser zurechtgefunden.

Arbeiten und leben in Nepal

Warum ich ein Leben in Nepal vorziehe

Für mich war es viel leichter, da die Akzeptanz für Kinder in Nepal viel größer ist und somit die Vereinbarkeit von erfüllender beruflicher Tätigkeit und Kindererziehung kein Problem mehr war. Wo meine Welt in Deutschland zusammengebrochen ist wenn Miriam krank war, da ich dann keine Betreuung für sie hatte, konnte ich sie in Nepal einfach mit ins Büro nehmen und alle haben sich gefreut. Wenn Miriam laut war, hat das niemanden gestört und auch sonst gehörte sie eben einfach zu mir dazu, was ja auch so sein sollte.

Welche Vorteile ergeben sich durch das einfache Leben in Nepal?

In den drei Jahren in Kaule, „unserem“ Dorf hatten wir eine wunderschöne Zeit und Miriam hat unglaublich viel gelernt. Einen der schönsten Aspekte finde ich, dass sie kaum „Dinge“ braucht, sie ist mit sehr wenig zufrieden und dankbar, wenn es mal was Besonderes gibt. Wir haben lange in einem Haus gelebt, zu dem ich unser Wasser von einer Quelle selbst in Eimern tragen musste, waschen unsere Wäsche mit der Hand und haben oft nur eine kalte Dusche, aber all das stört uns nicht und macht uns immer wieder bewusst, wie privilegiert das Leben in Deutschland ist. Miriam ist in Kaule nah an der Natur und immer draußen aufgewachsen, sie hatte immer Tiere um sich herum und weiß, was es bedeutet Landwirtschaft zu betreiben. Sie kann mit sechs Jahren drei Sprachen sprechen.

Sie kennt unterschiedliche Kulturen und Religionen und hat gelernt, diese als gleichwertig und nicht exklusiv zu akzeptieren.

Das Erdbeben und was es für unser Leben in Nepal bedeutete

Ein tiefer Einschnitt in unserem Leben in Nepal war natürlich das schwere Erdbeben im April 2015. Wir haben es in Kathmandu miterlebt und hatten großes Glück, dass uns nichts passiert ist. Unser Haus in Kaule wurde leider zerstört, genauso wie alle Häuser der Landwirte, mit denen wir zusammenarbeiten. Seitdem leben wir in einem Apartment in Kathmandu, Miriam besucht hier die Schule und unser Alltag sieht ein wenig anders aus. Trotzdem findet sie auch hier ihre Freiräume, sie ist mit allen Kindern in der Nachbarschaft befreundet, spielt jede freie Minute draußen und schafft es auch hier in der Stadt, Matschpfützen zu finden, die groß genug zum Rein springen sind. Seit einem Jahr sind wir aber auch viel in der Welt unterwegs, so dass Miriam noch mehr Kulturen und Lebenswelten kennenlernt. Für mich ist sie das beste Beispiel einer wahren Weltbürgerin.

Mein Fazit zum Auswandern und Leben in Nepal

Auch nach viereinhalb Jahren bin ich sehr froh über unsere Entscheidung, nach Nepal zu kommen. Wir haben hier unglaubliche Freundlichkeit und Offenheit erlebt, sind in Kaule auf- und angenommen worden und haben dort jetzt ein zweites Zuhause. Miriam wird ihr Leben lang von den Erfahrungen in ihren ersten Lebensjahren profitieren, und ich konnte mich „trotz“ Kind beruflich entfalten und eine befriedigende Tätigkeit für mich finden. Wie es bei uns weitergeht? Das wissen wir noch nicht sicher, nur dass wir Reisen und unterwegs sein weiterhin in unser Leben integrieren werden. Nach Deutschland werden wir wohl in naher Zukunft auch nicht zurückkehren, im Winter steht erst mal Südamerika auf dem Plan. Den Rest warten wir erst mal ab – auch etwas das ich in Nepal gelernt habe. Es kommt sowieso immer anders als man denkt…

Kleine Informationsliste zu einem Leben in Nepal

Durchschnittseinkommen in Nepal liegt bei 150 Euro im Monat, Mietpreise gibt es ländlich schon für 100 Euro, nach oben ist natürlich ganz viel Luft. Die Kosten für Essen sind verschwindend gering, die ärztliche Versorgung in Nepal ist zwar gegeben, nicht zu unterschätzen ist aber der hygienische Standard wie es überall in Asien der Fall ist. Die Visabestimmungen sind sehr streng und ein Arbeitsvisum fast nicht zu bekommen, weshalb die Einreise mit dem Touristenvisum die wohl einfachste Wahl ist. Mit dem Touristenvisum darf sich aber maximal 5 Monate pro Kalenderjahr in Nepal aufhalten.  Wer also in Nepal leben möchte, der sollte das gut abwägen.

Weitere Auskünfte bietet das auswärtige Amt.

Leben in NepalEva, alleinerziehende Mutter mit Power.

Wenn du mehr über Eva erfahren willst dann schau doch mal auf ihren Blog 2-unterwegs.de vorbei.

Auch auf ihren Youtube Kanal bekommst du einiges zu bieten.

Stephi
Alleinerziehend.Reisesüchtig.Freiheitsliebend.Alternativ.

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