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Ein offener Brief an meine Mutter

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Alles Gute zum Muttertag

Heute ist Muttertag, der Tag, andem wir unseren Müttern danken. Danken dafür, dass sie immer für uns da sind, bedingungslos. Heute ist auch der Tag, an dem ich meiner Mutter einmal DANKE sagen möchte und ich tue es hier. Das ist ungewöhnlich neu für mich und auch nicht einfach. Und dennoch möchte ich versuchen, meinen Emotionen Ausdruck zu geben.

Liebe Mama,
dieser Blogpost ist nur für dich. Fast schon drei Jahre habe ich dich nicht mehr in den Armen gehalten. Und doch kommt es mir so vor als wäre es erst gestern gewesen. Wir sind auf Dauerreise. An Tagen wie diesen denke ich ganz besonders an dich. Und auch wenn uns Tausende Kilometer trennen, fühle ich mich dir so nah. Manchmal weißt du es gar nicht aber du beeinflusst unsere Reise. Du tust es nicht bewusst aber ich lerne von dir, ich nehme mir deine Meinungen zu Herzen und frage mich oft was du mir jetzt raten würdest. Manchmal bin ich traurig oder auch verzweifelt und ich sehne mich nach einem Menschen, der mir zur Seite steht und dann denke ich an dich und ich fühle dich in meinem Herzen.

Ich denke oft an meine Kindheit. Habe ich doch genug Zeit, mein bisheriges Leben zu beleuchten. Ich erinnere mich an die vielen Sandkastenprojekte im Innenhof. Ganze Städte und Wohnanlagen hast du mit uns aus Sand gebaut. Ich weiß noch wie stolz ich war, dass du uns mit deinen Ideen und deiner Tatenkraft so unterstützt hast. Unsere Ferien in Bad Bevensen, wie sehr du bemüht warst, es uns schön zu machen. Irgendwann hörten diese Aktivitäten auf. Als Kind begriff ich nicht, was passiert war. Soviele Dinge änderten sich auf einmal. Das Leben wurde härter für uns. Du hattest deine eigenen Probleme und es wurde mit der Zeit immer schwerer sie vor uns zu verbergen. Plötzlich waren wir keine heile Familie mehr. Manche Nächte lag ich wach und habe mich gefragt, was ich tun kann. Ich habe mir selbst für vieles die Schuld gegeben und du hast es nicht gesehen. Aber es war nicht meine Schuld und auch nicht deine Schuld. Es waren die Umstände und die mangelnde Erfahrung.

Weißt du noch, wie wir zusammen saßen….die eine Nacht vor Muttertag. Du hast mir gesagt wie stolz du auf mich bist und ich hatte das erste Mal das Gefühl, richtig zu sein. Dieser Moment hat mein Leben verändert. Ich hatte keine Angst mehr davor anderen Erwartungen nicht gerecht sein zu können, es ging nicht mehr darum was man von mir denkt. Genau dieser Moment hat mir gezeigt, dass du tief in deinem Herzen, mir immer beistehen wirst, egal was passieren mag. Bedingungslos im Rahmen deiner Möglichkeiten.
Und plötzlich war ich schwanger, ich wusste nicht wie mir geschah und aus irgendeinem Grund war mir deine Meinung wichtig. Ich weiß nicht, ob ich eine bestimmte Reaktion erwartet hätte aber du hast mir genau die richtige Antwort gegeben, nämlich dass du zu mir hälst, was auch immer passiert. Ich danke dir sehr dafür und auch für die viele Unterstützung während und nach der Schwangerschaft. Ich weiß wie sehr du dich aufgerieben hast und mir versucht hast den Rücken frei zu halten, wann immer es dir möglich war. Denn du weißt genau wie hart das Leben manchmal ist, wenn man sein Kind alleine erzieht, wenn man den Job und Kinder unter einem Hut bringen muss und sich gleichzeitig sorgen muss. Ich weiß nicht, ob ich es dir je gesagt habe aber du warst mir oft ein großes Vorbild mit deinem Fleiß und teilweise 2-3 Jobs, um uns zu ernähren. Ja, du hast auch oft die Balance verloren aber auch das ist menschlich.

Dann kam unsere große Reise und ich war nicht ehrlich zu dir. Ich wollte dich nicht verletzen. Ich habe dir gesagt, wir kommen wieder aber ich wusste zu dem Zeitpunkt schon, dass sich mein Leben verändern wird, dass ich unser Leben neu definieren möchte. Ich war nicht mehr glücklich in Deutschland, ich wollte mehr vom Leben, das Glück in mir selbst suchen, ganz ohne Einflüsse von außen, ohne alltägliche Pflichten. Ich wollte einen Platz finden, an dem ich glücklicher bin, an dem ich mein Leben mit Jannik so gestalten kann, wie es uns gut tut. Und ich habe in Kauf genommen, alles hinter mir zu lassen. Ich habe in Kauf genommen, verzweifelt zu sein, zu vermissen aber auch loszulassen von alten Verhaltensmustern. Ich fühle mich jetzt angekommen und zeitgleich vermisse ich dich und den Rest der Familie schrecklich. Es tut mir leid, dass ich dich belogen habe und doch weiß ich, du hättest mich nicht ziehen lassen. Doch du hast mich ziehen lassen und hast bis jetzt die Reise mit uns in Gedanken mit erlebt, all die Höhen und all die Tiefen und hast mich nie im Stich gelassen. Dafür danke ich die sehr. Dafür und für alles, was du für uns getan hast.

Ich habe einen Wunsch. Ich wünsche dir von Herzen, dass du glücklich bist. Dass du die Vergangenheit hinter dir lässt, dass du dir bewusst darüber wirst, dass du nur ein Leben hast und alles, was bis jetzt passiert ist, war Teil eines Plans. Es ist dein Lebensplan. Du hast viel Mist erlebt und gewiss auch viele falsche Entscheidungen getroffen aber es ist egal wie du dich mal entschieden hast, denn es zählt nur, was du aus den Erfahrungen machst. Ich wünsche dir, dass du dir selbst vergibst und voller Kraft in deine Zukunft schaust. Denke auch mal an dich und versuche von dem Gedanken loszulassen was andere von dir erwarten. Es ist nicht wichtig, denn niemand lebt dein Leben, niemand läuft in deinen Schuhen. Du bist toll, genauso wie du bist.

Ich wünsche dir von Herzen alles Liebe zum Muttertag und freue mich auf eine baldige Umarmung und grüße mir auch meine zwei lieben Schwestern, die ich ebenfalls sehr vermisse und liebe.

Stephi
Alleinerziehend.Reisesüchtig.Freiheitsliebend.Alternativ.

4 Comments

  1. Es ist sooo schön wieder von euch zu lesen und deine warmherzigen Worte an deine Mom waren wunder-voll. Danke, dass du uns teilhaben lässt….

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