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Ein Visarun nach Singapur mit Hindernissen

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Unser Visarun nach Singapur

Es ist wieder Zeit, einen Visarun zu machen. Unsere finanziellen Mittel begrenzt, die Landeinreise nach Thailand müssen wir uns für einen späteren Zeitpunkt aufsparen, denn Thailand hat die Einreise über Land nun limitiert. Für einen Flug in ein Nachbarland von Malaysia reicht es nicht aus und so entscheiden wir uns für Singapur. Ich mag Singapur, es ist so anders als die anderen Südostasiatischen Länder. Es ist sehr sauber und gespickt mit vielen Regeln, denen ein Strafenkatalog folgt. Nur so schafft es die Regierung, den hohen Standard aufreht zu erhalten. Dinge wie Kaugummi ausspucken oder rauchen außerhalb der Raucherzonene wird mit einem hohen Bußgeld geahndet. Singapur zählt zu den 10 reichsten Ländern der Welt und so ist ein Aufenthalt in Singapur auch nicht gerade günstig aber dennoch lohnenswert, zumindest für ein paar kurze Tage.

Unsere Anreise zum Visarun nach Singapur

Nach einem Zwischenstop in Melakka, um dort noch unsere Freunde zu besuchen, geht es mit dem Bus direkt nach Johor Bahru. Die Fahrt dauert lediglich 4 Stunden mit ein paar Stops auf dem Weg und so erreichen wir Johor Bahru am frühen Nachmittag. Die Station von Johor Bahru und der Grenzübergang zu Singapur wird lediglich von einer Brücke getrennt. Du kannst auch Busse nehmen, die dich direkt nach Singapur bringen. Ich persönlich bevorzuge den Weg alleine zu machen, denn du musst bei dem Bus an zwei Granzübergängen aussteigen und es wird nicht lange auf dich gewartet. Wenn du auf meine Art nach Singapur reist, wartest du einfach bequem auf den nächsten Localbus wenn du mit dem Ausstempeln und Einstempeln durch bist. Mit Kind im Gepäck und einem eh schon immer mulmigen Gefühl an jeder Grenze, gehe ich es lieber ohne Zeitdruck an.

Es gibt Probleme an der Grenze

Ein Grenzübergang mit Problemen steht uns bevor. Aus Erfahrung weiß ich, dass besonders die Landeinreise nach Singapur nicht ganz problemlos ist und ich war gewappnet mit einem Flugticket, das belegt, dass ich zeitnah wieder nach Deutschland fliege. Da die meisten Asiaten dem Charme eines blonden Kindes schnell verfallen, schicke ich eh immer Jannik vorweg wenn es um Grenzangelegenheiten geht. Er hat es voll drauf, reist seine blauen Augen weit auf, setzt sein bestes Lächeln auf und begrüßt den Grenzbeamten mit einem “Good Morning Sir, how are you today?” Sofort bekommt er ein Lächeln zurück und ich sehe uns schon problemlos in Singapur. Doch dann prüft der Beamte kritisch unsere vielen Stempel im Pass, er winkt mich zu sich und schaut mich musternd an. Es folgen ein Haufen Fragen über unseren Reiseverlauf, über die Schule und die Familie und letztlich die Frage wann wir wieder zurrück nach Deutschland gehen. Ich merke wie mir heiss und kalt wird und die Angst in mir hochsteigt, die Reise könne genau an diesem Punkt zuende sein. Doch meine Antworten klingen überzeugend und nach etwa 10 Minuten, unserem vorgezeigten Flugticket nach Deutschland und einem Telefonat zu seinem Vorgesetzten lässt man uns rein und wünscht uns eine gute Reise.

 

So viele Dinge gehen mir grad durch den Kopf

Ich fühle es noch mit jedem geschriebenen Wort hier, die Angst und das Gefühl, was tun wenn man uns jetzt nicht reinlässt? Grenzübergänge sind immer schwierig für mich, denn jeder weiß, dass die Grenzbeamten nach eigenem Ermessen handeln dürfen. Wenn man jedoch aus einem Land schon ausgestempelt ist und in das andere nicht rein kommt, sitzt man im Transitbereich fest und das bedeutet nichts anderes als ein Rückflug in das Heimatland. Ich habe schon von vielen gehört, die sich den Rückflug aus finanziellen Gründen nicht leisten konnten und dann im Transitbereich in die Haft gebracht wurden. Das wäre mein größter Alptraum denn je nach Land ist diese Haft alles andere als ein Zuckerschlecken.

Ankunft in Singapur und einmal runterfahren bitte

Nach der Aufregung freue ich mich in Singapur zu sein. Wir buchen uns erst am späten Nachmittag ein Hotel. Kleiner Tipp, die meisten Hotels haben auf booking eine Lastminute Option eingestellt, das heißt alles was nach dem Mittag für den noch selben Tag gebucht wird, hat teilweise bis zu 50% Rabatt und so haben wir Glück und finden ein wirklich schönes Hotelzimmer für umgerechnet 40 Euro statt 80 Euro die Nacht. Das ist für Singapur ein echtes Schnäppchen. Der einzige Wehmutstropfen ist, es herrscht grad in den oberen Etagen eine Baustelle aber da wir eh den ganzen Tag unterwegs sind, stört uns der Baulärm nicht. Was du zu Singapur wissen musst, erwarte keine großen Zimmer, denn dafür wirst du ein Vermögen zahlen.

Zwei Tage Kinderprogramm in Singapur

Wir machen zwei Tage das volle Kinderprogramm. Toben, laufen und raufen. Ausserdem besuchen wir bereits zum zweiten mal das Futureworld, eines der besten Exhibitions, die wir je besucht haben und verbringen einen ganzen Tag am Gardens by the Bay Wasserspielplatz. Den perfekten Abschluss haben wir dann mit den Lichtspielen an der Skybridge. Ja, ich gebe es zu, so ein Programm gefällt mir auch mal sehr zum sonstigen Reiseprogramm, indem wir sehr auf unser Budget achten müssen. Aber genauso ist es eben auch wenn das Reisen eben keine Urlaubsreise mehr ist, sondern ein Lifestyle. Man reist anders und schaut sich nicht mehr alles an, was auch nicht wichtig ist, denn wir lernen die tollsten Menschen kennen, die wir mit einem straffen Sightseeingprogramm vermutlich nie zu Gesicht bekommen würden.

Mir wird es mulmig, die Ausreise naht

Unsere Ausreise rückt ganz nahe und mit ihr erneut das mulmige Gefühl. Ausstempeln klappt problemlos und dann stehe ich vor ungefaehr 10 Schaltern mit Grenzbeamten und ganz spontan muss ich entscheiden, welcher von ihnen der wohlgesonnenste ist. Ich schicke Jannik wie immer vor. Wir haben uns für eine freundlich ausschauende Beamtin entschieden. Und während Jannik versucht, sie dezent in einen Smalltalk zu verwickeln, blättert sie unsere Pässe durch. Sie schaut uns kritisch an und Jannik erzählt von dem tollen Wasserspielplatz in Singapur und dass er ja bald seine Oma wieder sieht. Mir wird schlecht als sie unsere Pässe nimmt und zu ihrem Vorgesetzten geht. Was, wenn es das jetzt war? Was passiert mit all unseren Sachen, die wir bei unseren Freunden gelassen haben? Tausend Frage in meinem Kopf. Sie kehrt zurück und fordert mein Flugticket zur Ansicht. Dann erklärt sie mir, dass wir nochmal rein dürfen, unser Visum aber bis auf das Abflugdatum gekürzt wird und wir doch mal wieder eine Zeit lang in unserem Heimatland verbringen sollten. Ich nicke freundlich und bedanke mich für ihre Mühen. Ich glaube der Stein, der mir in dem Moment vom Herzen fällt, kann man bis ans andere Ende der Welt hören.

Visarun nach SIngapur

Was bedeutet eigentlich Freiheit in solchen Momenten?

Mir wird wieder einmal klar, was für ein unfassbares Glück wir haben, dass unsere Reise bislang fast ohne Hürden verlaufen ist bzw wir die vorhandenen Hürden immer meistern konnten. Manchal vergisst man das und wird sich in solchen Momenten wieder im Klaren darüber. Ich bekomme oft Emails von Lesern, die uns für diesen Lifestyle beneiden und ich möchte wieder einmal erwähnen, dass auch dieser Lifestyle gehörig viele Schattenseiten hat. Es ist nicht immer der puderweisse Sandstrand, die frische Kokosnuss und das türkisblaue Meer, welches man in vielen Instagramkanälen bestaunen kann. Nein, speziell unsere Reise kann auch jederzeit wegen einem ungünstigen Zufall beendet sein. Sei es, weil es finanziell nicht mehr passt oder eben weil ein Grenzbeamter entscheidet, uns nicht rein zu lassen. Und so leben auch wir damit, dass der Traum von unserem Lebensmodell jederyeit beendet sein kann. Ich habe mal einen Menschen getroffen, der mir eine interessante Antwort auf die Frage gab, war er für sich persönlich als freiheit definiert. Und seine Antwort war : Die wahre Freiheit erlangt man nur mit dem Schlüssel der finanziellen Freiheit. Ich denke oft darüber nach und auch dass ich für mich entschieden habe, dass mich Geld nicht glücklich macht und doch komme ich immer wieder in Situationen, wo ich mir wünschen würde mehr an Geld zur Verfügung zu haben. Nicht, um ein Leben in Luxus zu führen, sondern um meine Ängste in Situationen wie diesen zu minimieren. Und genau aus diesem Grund bin ich so unendlich dankbar, dass das Schicksal bislang immer auf unserer Seite stand.
Was glaubst du, was braucht es zum Glücklichsein?

Stephi
Alleinerziehend.Reisesüchtig.Freiheitsliebend.Alternativ.

4 Comments

  1. Hallo Stephi,
    Glücklich sein ist für mich den Moment zu genießen, im hier und jetzt zu sein. Es hat weder was mit Geld, noch etwas mit Luxus zu tun. Das sind für mich beides Annehmlichkeiten. Sie helfen einem weder dabei die Schönheit dieser Welt und eines jeden Einzelnen zu erkennen, noch mich selbst zu erkennen.
    Mein Sohn und ich haben in den letzten Tagen mit Begeisterung eure Webseite durchstöbert. Uns gefällt definitiv euer Lifestil. Seit langem habe ich auch vor aus zu steigen. Mein Sohn stimmte dem nun zu und für uns geht es Anfang/ Mitte Januar los. Waren im Sommer für 6 Wochen in Indonesien, Sulawesi unterwegs. Da wir in tiefer Dankbarkeit und los gelassen, wobei ich immer noch lerne, reisen, sind uns absolut tolle Dinge über den Weg gelaufen und passiert. Ich habe dir letzte Woche eine Mail geschickt und wir würden gerne mit euch in Kontakt treten. Seit herzlichst gegrüßt Katrin und Franjo

  2. Leider habe ich nicht alles verstanden, was du schreibst.
    Du reist über JB auf dem Landweg nach Singapur ein und wirst gefragt was mit der Schule ist? Warum interessiert das den Grenzbeamten?
    Dann bist du einige Tage in Singapur und willst wieder ausreisen. Wohin? Nach Thailand?
    Und obwohl du ausreist, sagen sie dir, dass dein Visum gekürzt wird? Warum ist das relevant, wenn du doch eh ausreist? Warum sagt sie dir, dass du mal wieder eine zeitlang in D verbringen sollst?
    Irgendwie versteh ich es einfach nicht.
    Gruß
    Alex

    1. Das Problem war bei der Wiedereinreise nach Malaysia. Und die Frage nach der Schule deshalb, weil wie schon seit drei Jahren nicht mehr in Deutschland waren. Entschuldigung für etwaige Verwirrungen.

  3. Hallo,

    Erstmal muss ich loswerden wie sehr es mich berührt deine Beiträge zu lesen und ich glaube ich habe jetzt fast alle durch.
    Wir haben vor 6 Jahren das happy medium gewählt und sind nach Neuseeland gezogen. Hier ist das Leben definitiv entspannter und das Schulsystem auch gaaaaanz relaxt. Falls ihr mal in der Nähe seit meldet euch bitte! Wir freuen uns immer über Besuch.

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