AlltagsgeschichtenErlebnisse

Planlos oder doch nicht?

Stephi13 comments1103 views

Oder warum wir nicht alles planen sollten

Ich muss jetzt einmal kurz ausholen, wer mich kennt, weiß von meinen Plänen, wer mich nicht kennt, wird davon in ein paar Monaten erfahren 😉 In den letzten Wochen hole ich mir in verschiedenen Foren und Gruppen alle Informationen ein, die mich irgendwie weiter bringen könnten und nicht planlos erscheinen lassen, aber zusammenhängend damit bin ich auch einer enormen Kritik ausgesetzt.

Ich weiß, dass mein Lebensstil in vielerlei Hinsicht die Menschen polarisiert. Es gibt jene, die mich bewundern für die Art und Weise, wie wir reisen und unseren Alltag gestalten und es gibt welche, die mich für verantwortungslos und egoistisch halten, weil ich dem Anschein nach, meinem Sohn meine eigenen Interessen aufzwänge. Aber grundsätzlich gilt doch nur eins, ich allein als Mutter muss doch wissen, was meinem Kind gut tut und was nicht, ich halte mich weder für besonders mutig noch für verantwortungslos und egoistisch. Ich bin einfach nur besonders willensstark, wie mein Sohn im übrigen auch, manch einer nennt es Ehrgeiz, ich nenne es Leidenschaft.

Eigentlich ist der Ansatz, dass ich mich durch diesen Artikel rechtfertige schon der falsche, aber es geht mir gar nicht in erster Linie um die Rechtfertigung, sondern um etwas Aufklärung und die Frage warum wir so sind wie wir sind. Ich möchte mit einem Klischee beginnen, das vor allem die deutsche Kultur fest verankert hat und der Grund für diesen Artikel ist. Es handelt sich dabei um das Sicherheitsbedürfnis.

Wir versuchen immer alles bis ins kleinste Detail zu planen, brauchen für alles einen ´Plan B und C, ein doppeltes Auffangnetz, wenn wir doch mal aufs Seil steigen, holen uns für alles eine zweite Meinung ein, überdenken die meisten Entscheidungen mindestens dreimal und versuchen immer alles rationell zu sehen, sind mit Emotionen oft überfordert, können uns schwer gehen lassen, verlieren ungern die Kontrolle und die Liste könnte noch so endlos lang werden.

Durch meine Reisen lerne ich immer wieder fremde Kulturen kennen und versichere euch, bislang habe ich noch keine Kultur kennen gelernt, die versucht soviel richtig zu machen wie wir und obwohl wir glauben, dass uns das selbständiger in unserem Handeln macht, behaupte ich, dass es nicht so ist.

Denn was passiert denn, wenn die Ampel an der Kreuzung ausfällt?

Wir sind so unflexibel, dass es ohne´einen Verkehrspolizisten kaum zu regeln ist, den Verkehr weiter fließen zu lassen.

Oder wie gehen wir damit um, wenn die Busse auf einmal nicht mehr fahren?

Wir sind total überfordert und stressen uns den Rest des Tages mit einem Terminchaos.

Was ist, wenn unerwartet Stromausfall ist?

Wir suchen die Taschenlampe raus und sprechen den Notstand aus.

Ist es nicht tatsächlich so, dass wir versuchen für alle unvorhergesehenen Dinge einen Verantwortlichen zu finden?

  • Aber was, wenn wir keinen Verantwortlichen haben und wenn wir einfach versuchen das beste aus einer Situation zu machen?
  • Wenn wir mehr Eigenverantwortung zeigen und nicht versuchen, die Dinge zu analysieren und den Fehler zu finden, sondern einfach mal intuitiv handeln.
  • Was ist, wenn wir uns auf genau diese Intuition verlassen?
  • Wenn wir niemanden brauchen, der für uns eine Situation regelt, damit sie wieder fließen kann?
  • Wenn wir die Dinge einfach mal selbst in die Hand nehmen?

Ich persönlich bin von Natur aus eher der chaotische Typ und das ist auch gut so, denn es macht mich flexibel, gibt mir die Möglichkeit immer wieder mal die Blickwinkel zu ändern und mich auf meine Intuition zu verlassen, entscheide viele Dinge viel lieber aus dem Bauch heraus und versuche auch zunehmend dem natürlichen Fluss des Lebens zu folgen, statt alles zu planen und Notfallpläne auszuklügeln.

Ich will niemanden dazu verleiten, planlos durchs Leben zu laufen, denn das tue ich auch nicht, ich habe Ziele und Visionen und die sind oft so klar und definiert, dass sie mich fast erschrecken, aber ich merke, wie gut es tut, wenn mich unvorhergesehene Dinge aus der Bahn werfen und mich zu anderen Aktionen zwingen. Gerade wenn ich auf Reisen bin und in fremde Kulturen eintauche, verlasse ich mich auf meine Intuition und noch etwas viel größerem, nämlich die Kraft des positiven Denkens, dass immer alles gut wird.

Ich frag euch jetzt, ist das naiv?

Man nennt mich oft planlos, unorganisiert und blauäugig, wenn ich Entscheidungen treffe und diese auch ohne die typisch deutsche Vororganisation umzusetzen versuche. Na klar, passieren mir deutlich mehr Stolperfallen, als wäre alles organisiert und nicht selten finde ich mich irgendwo im Nirgendwo wieder, bei strömenden Regen draußen ohne Schirm oder in einem emotionalen Moment, den ich nicht geplant habe, aber dieses Gefühl, das ich dann abends im Bett habe, wenn ich den Tag Revue passieren lasse, ist durch nichts zu ersetzen und bestärkt mich immer wieder aufs Neue, mich den Herausforderungen des Lebens auf eine flexible Art und Weise zu stellen.

Wenn ich also eine Reise plane, ohne alle Eventualitäten zu berücksichtigen? Wenn ich keine Absicherungen habe? Wenn ich als Plan B und C viel lieber nach einer Abwandlung von Plan A suche oder gar Plan Z finde? Wenn ich Umwege gehe, weil ich den einfachen Weg langweilig finde? Bin ich dann eine verantwortungslose Mutter? Und was hat mein Kind eigentlich davon, wenn er mich Stunden durch die Pampa oder durch den Regen begleiten muss, im Anschluß vielleicht noch fiebert oder völlig übermüdet ist?

Ich verrate es euch, er bekommt das wichtigste mir bekannte Gut gelehrt und das ist die Leidenschaft.

Die Leidenschaft, etwas zu tun und zu leben und sich von nichts auf der Welt davon abbringen zu lassen oder eben nach Alternativen zu suchen.

Die Leidenschaft, Dinge anders zu machen aber dafür tiefgründiger und mit mehr Bewusstsein.

Die Leidenschaft, sich auch mal fallen zu lassen und zu sehen was passiert. Ich glaube daran, dass immer alles gut wird, aber der Weg ist holprig und nicht immer einfach und wenn ich alles organisiere, werde ich nie in der Lage sein, zu sehen, was passiert, wenn die Dinge ihren Verlauf ändern und wir einfach mitgehen, statt die Verantwortung abzugeben.

Und was passiert eigentlich, wenn wir alles organisieren und trotz Plan B, C und D die Dinge sich verändern? Wenn wir nie gelernt haben, andere Lösungswege zu finden?

Ich verrate es euch, wir werden zurück in unser Schneckenhaus kriechen, resignieren und in einer kleinen Welt weiter leben. Ich will das nicht verurteilen, denn auch ein Leben im vermeintlichen Schneckenhaus kann erfüllt sein, aber eben nicht für mich und wenn ich eine Schnecke in ihrem Haus treffe, lade ich sie immer wieder dazu ein, ihre Fühler auszustrecken und die Welt da draußen zu entdecken, und sei es nur durch meine Geschichten.

Egal, für welchen Weg wir uns entscheiden, ob den geplanten oder vermeintlich planlosen Weg, wir sollten versuchen weniger Eventualitäten zu berücksichtigen, ohne dabei planlos zu sein 😉

Wie steht ihr zum Thema planlos sein? seht ihr es ähnlich wie ich oder bevorzugt ihr es , alle Eventualitäten einmal abgesichert zu haben? Ich freue mich auf eure Kommentare.

 

Stephi
Alleinerziehend.Reisesüchtig.Freiheitsliebend.Alternativ.

13 Comments

  1. Eine Absicherung ist immer ratsam ..
    planlos ist kein Mensch jedenfalls kein gesunder und ich glaube du hast alles richtig gemacht deine Entscheidung für Deinen Sohn und für Dich,man sieht und liest wie glücklich ihr beiden seit und das ist schön!!!
    .Ich denke auch das du 3 oder mehr mals überlegst was Du als nächstes tust in diesem Sinne

    You won´t find the way, but the way will find you

    danke das es Deine Seite hier gibt

    Viel spass weiterhin für deine Homepage und dein Weg den Du gehn wirst kommt blos gesund zurück

    1. Hallo Gabi,
      erstmal danke für dein Kommentar und ja, irgendwie fühlt es sicht immer richtig an, was wir machen und in der Regel denke ich auch mehr als einmal nach, freue mich aber auch sehr, wenn ich es mal nicht tue 😉

  2. Hey Steffi, ich bevorzuge, wie so häufig, den goldenen Mittelweg. Nicht zuviel Plan, gerne Abweichen, viel auf’s Bauchgefühl verlassen, aber bereits im Vorwege Plan B haben, aber Plan Z gerne zulassen. Lass dich bloß von Andersdenkenden nicht fertig machen, aber beherzige Tipps

    1. Hallo Anonymous,
      ja, da geb ich dir recht, ein Mittelweg ist prinzipiell nie verkehrt und im Kopfhat wahrscheinlich jeder von uns einen Plan B, nur ist der odt nicht so ausgeklügelt bei mir. Grundsätzlich liebe ich jedoch die Position für alles offen zu sein und immer wieder neu in alle Richtungen gehen zu können, wenn ich es will. Danke für dein Kommentar.

  3. Das war einer der schönsten Texte, die ich seit langem gelesen habe. Ich beneide dich um deine Leidenschaft und finde mich leider nur allzu sehr in deiner Beschreibung des Strebens nach Sicherheit wieder. Bisher habe ich noch nicht den Mut gefunden mich für mehr Leidenschaft zu öffnen. Aber manchmal ist es eben ein langer Weg…

    1. Liebe Katrin,
      die Tatsache, dass dich diese Leidenschaft begeistert, bedeutet nichts anders als Veränderung und Entwicklung und das geschieht jeden Tag mit uns. Gib deiner Intuition mehr Vertrauen und dann kommt der Rest von ganz alleine. Das wichtigste auf den Weg des Öffnens ist, sich von eigenen Ängsten zu befreien, die wir aus der Kindheit oft mit uns rum schleppen und diese nicht auf unsee Kinder zu übertragen. Kinder kommen frei und neugierig zur Welt und haben ein Urvertrauen in das Leben und wir können uns so viel davon abschauen. Als Erwachsene haben wir oft vergessen, dass es wichtig ist ganz viele Fehler zu machen und dann auch mal andere Wege zu gehen. Setz dich nicht unter Druck mit deinem Weg, aber hab Vertrauen in dich und deinem Kind(ern), denn ihr seid immer ein Spitzen-Team.

  4. gibt es überhaupt irgendetwas was wir tun was nicht nur ein bisschen durchdacht ist? ich meine, alles was wir tun darüber denken wir doch und selbst wenn nur für einen moment nach. wichtig ist doch der verstand denn;

    “Der Verstand ist wie eine Fahrkarte: Sie hat nur dann einen Sinn, wenn sie benutzt wird.”

    & von verstand besitzt du ganz viel. ich wünsch dir für deine zukunft, das du noch sehr viel erlebst, das du und dein sohn weiterhin ein unschlagbares team bleibt und du irgendwann sagen kannst; ich hab meinen sohn alles gezeigt was ich wollte, das er es seinen eigenen kindern, deinen enkelkindern genauso wie du es einst tatest die wunderschöne welt zeigt.

Leave a Response