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Songkran oder wie aus Tradition die größte Wasserschlacht der Welt wurde

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Songkran

Songkran, was ist das eigentlich?

Songkran, was hat es damit eigentlich auf sich? Wir kennen es alle, am 1.Januar eines jeden Jahres beginnt für uns das neue Jahr. Das ist aber nicht in allen Kulturen so. In Thailand besipielsweise liegt das traditionelle Neujahr im April und zwar immer genau dann wenn die Sonne in das erste Tierkreiszeichen eintritt, den Widder. Früher wusch man zu diesem besonderen Fest die älteren Familinmitglieder und gab ihnen neue Kleidung als Zeichen des Respekts und der Dankbarkeit. Was einst Tradition war, hat sich längst zur größten Wasserschlacht der Welt verselbstständigt. Und auch wir waren diesmal dabei, klein und fein auf einer Insel namens Kho Phayam. Was wir erlebt haben an Songkran, was das überhaupt bedeutet und was wir davon halten, möchte ich einmal zusammen fassen.

Songkran hat sich verselbstständigt

Traditionell wurde den älteren Familienmitgliedern zu Songkran die Hände mit parfümierten Wasser beträufelt, sie wurden gewaschen und es wurden neue Kleider gebracht, die Mönche hat man mit Wasser begossen und Buddha wird auch heute noch zu diesem besonderen Fest gewaschen. Wasser gilt als Zeichen des Lebens und steht symbolisch für eine Reinigung und Erneuerung des Geistes. Am Ende der Zeremonie steht der Segen, den die Mönche und die älteren Menschen der Familie aussprechen. In der thailändischen Kultur glaubt man, dass man es ohne den elterlichen Segen im Leben zu nichts bringt. Das ist einer der Hauptgründe warum den Kindern hier schon ganz früh eine fast demütige Haltung gegenüber den älteren Menschen beigebracht wird. Der Respekt und die Dankbarkeit ist hierzulande der Schlüssel zu Glück und Erfolg und dessen wird man sich ganz besonders zu Songkran bewusst. Wenn also an Songkran die Dankbarkeitszeremonien vorbei sind, beginnt die Wasserschlacht zum Spaß unter den Kindern als Symbol und Herbeiführung für die ersehnte Regenzeit. Heute jedoch sind es nicht mehr die kleinen Kinder, die sich mit ein wenig Wasser bespritzen, heute werden Millionen an Kubiklitern vergossen und das obwohl in weiten Teilen des Landes absolute Trockenheit herscht. Ich selbst habe hier mein erstes Songkran erlebt und fand es für das, was sich in den großen Städten abspielt sehr verhalten. In Bangkok aber beispielsweise ist Ausnahmezustand angesagt, gröhlende und betrunkene Menschen auf den Straßen ohne Rücksicht auf Verluste, und es bleibt kein Knochen trocken. Obgleich die Regierung zum traditionellen Songkran aufruft und an die Nachhaltigkeit erinnert, hat es die neue Generation in die größte Wasserschlacht der Welt längst als ihre Tradition umgewandelt. Es geht um Spaß, es geht um Feiern und es geht um Ausnahmezustand. Feiertage für alle und wer mag sich die größte Party des Landes schon nehmen lassen?

 

Songkran lädt auch uns ein

Nun sind wir hier schon seit über drei Monaten auf Kho Phayam und gerade jetzt zu Songkran bin ich auch mehr als dankbar dafür. Wir erleben ein kleines Songkran und ersparen uns damit den Schockzusatnd, den eine Freundin zur selben Zeit mit ihrer kleinen Tochter in Bangkok erlebt. Unser Morgen beginnt entspannt bis wir hier vom Personal das erste Eiswasser übern Kopf bekommen. Und die erste Erkenntnis des Tages, Wasser ist nicht gleich Wasser. Dazu folgt eine Waschung mit in Wasser aufgelöstes Babypuder, kleine Randbemerkung: es gibt hier kein Sensitivpuder, alles ist parfümiert. Das Babypuder soll für Reichtum und Kindersegen stehen. Während wir also mit dem Wasser ganz gut umgehen können, brennt das parfümierte Puder in den Augen und wir waschen es mühseelig aus, um ein paar Minuten später wieder neues Puder ins Gesicht zu bekommen. Jannik hat dennoch Spaß und ich bemühe mich das ganze Songkran und den Umgang mit dem wichtigsten Lebenselexir durch Kinderaugen zu sehen und nicht meinen erwachsenen Kopf über Sinn und Unsinn und Ökologie dieser verselbstständigten Tradition zu Songkran walten zu lassen. Manchmal muss man die Dinge so aktzeptieren wie sie sind und dennoch bemühe ich mich nicht aktiv mitzuwirken während Jannik an Songkran die größte Party seines Lebens feiert. Ja, er hat sichtlich Spaß. Und es geht mir das Herz auf wenn ich meinen kleinen Jungen so ausgelassen und fröhlich sehe, weil er Dinge machen darf, die sonst nicht an der Tagesordnung stehen, weil kein Erwachsener sagt, tu das nicht, das will ich nicht, denn heute an Songkran sind alle Kinder.

Songkran auf Kho Phayam

Kho Phayam, eine kleine autofreie Insel nahe der burmesischen Grenze. Ein Inselparadies für Aussteiger und solche, die es noch werden wollen. Man könnte meinen, wir sind hier soweit weg von der übliche Zivilisation, dass uns Songkran nicht erreicht aber auch hier lässt man sich den Spaß nicht nehmen und so trifft man sich am Pier oder einfach vor dem nächsten Minimarkt und liefert sich eine Wasserschlacht. Mopeds und Passanten passieren den Bereich in keinem Fall trocken. Manche Mopeds werden angehalten und erhalten die Wasserdusche mit Wassereimern in dreifacher Menge. Die Kinder stehen mit Wasserpistolen und Schlauch bewaffnet am Straßenrand und haben jede Menge Spaß, Jannik ist mittendrin und ich ärger mich ein wenig darüber, dass es mir so schwer fällt los zu lassen. Immer wieder kreist das Wort Nachhaltigkeit in meinem Kopf. Auch hier auf der Insel ist Wasserknappheit ein ständiges Thema. Ich kann die Worte meiner Freundin aus Chiang Mai nicht vergessen, dass sie genau jetzt kein Wasser mehr hat, dass die Felder verdürren und auch das Duschen langsam ein Luxuszustand ist. Wir brauchen das Wasser alle.

Fazit an Songkran

Ich respektiere die neue Tradition an Songkran weil es ein Teil der thailändischen Kultur ist, die mir trotz vieler Fragen und auch Unverständniss immer wieder ein Gefühl von zuhause gibt. Dass Jannik sichtlich Spaß hatte, macht es für mich leichter zu verstehen. Wer also an Songkran in Thailand ist, der darf sich eines merken, packt Handys und Computer wasserdicht ein denn ihr werdet nicht nur mit einer Wasserpistole nass gemacht.  Wer trocken bleiben will, der bleibt am besten drei Tage drin und wer wie ich die Welt verändern will, schließt an diesen Tagen besser die Augen. Und wer einfach nur mal wieder Kind sein will, ist wohl genau richtig hier. Ob ich es nochmal erleben möchte? Ich weiß es nicht und wenn ich Jannik fragen würde, wüsste ich die Antwort sofort 😉 Die Unfallrate an Songkran ist übrigens extrem hoch, darum lasst das Moped stehen und seid lieber zu Fuß unterwegs mit offenen Augen.

Was sind deine Erfahrungen zu Songkran?

Warst du auch schonmal zu Songkran in Thailand oder einem Nachbarland? Wie waren deine Erfahrungen und wie denkst du darüber? Schick mir gerne einen Link zu deinen Erfahrungsbericht oder hinterlasse mir einen Kommentar.

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Stephi
Alleinerziehend.Reisesüchtig.Freiheitsliebend.Alternativ.

5 Comments

  1. Sei nicht so streng mit dir und deinem Vorsätzen. Versuche doch ab und zu mal ein wenig das Sanuk der Thais an dich heranzulassen. An vielen Orten auf der Welt herrscht zur Zeit ein Mangel oder Überfluss an Wasser. Das ist der Lauf der Natur. Unterhalte dich mal mit Mitmenschen jenseits der 80, sie alle werden dir bestätigen, dass sie diese wetterkapriolen alle schon mehrfach in ihrem Leben erlebt und überstanden haben. Freue dich an der Lebensfreude deines Sohnes. Er macht dir vor, wie einfach freuen und Spaß haben sein kann.

    1. Liebe Rica,
      ich danke dir dafür. Das ist tatsächliche eines meiner größten Herausforderungen. Mich ein wenig von meinem ganz persönlichen Ideal zu distanzieren und genau deshalb tut es mir so unendlich gut, die Welt mit den Augen meines Sohnes zu erkunden und Blockaden, Barrieren oder Wertvorstellungen zu hinterfragen.

  2. Ich schließe mich mal der Vorrednerin an. Versuche solche Dinge etwas mehr zu genießen. Du solltest deine Wertvorstellungen nicht aufgeben aber es schadet dir persönlich auch nicht, wenn du sie mal in dem ein oder anderen Moment vergisst. Ich mag deine Beiträge gerade wegen dieser Offenheit und auch wegen deiner Gedanken zur Welt. Behalte dir das immer bei aber vergiss dich nicht. Lass das Kind ruhig öfter raus und es wird dir viele Feinheiten des Lebens zeigen.

  3. Hallo Stephi, auch wir haben Songkran dieses Jahr wieder erlebt. Das Erste Mal in einer größeren Stadt und ja es ist etwas irre. Auch muss man mit Kindern einfach aufpassen, da gebe ich dir vollkommen recht. Ansonsten machen wir es ehrlich gesagt immer wieder gerne mit, da es einfach Spaß macht in einer netten Gruppe und in meinen Augen immer noch wesentlich angenehmer ist als zum Beispiel das westliche Neujahr mit Raketenmüll etc. Viele Grüße aus dem Norden Thailands.

    https://www.nestingnomads.de/unsere-10-tipps-fuer-songkran/

  4. Hallo liebe Stephi schön wieder mal etwas von dir zu hören,,,,ich schließe mich den Vorschreiber an sei nicht zu streng mit dir genieße die Zeit und die Kulturen in den Ländern die du bereist es ist wirklich nicht schwer Kind zu sein probierst mal aus erinnere dich wieviel Spaß du als Kind hattes auf feste und Partys .Jeder von uns trägt sein inneres Kind mit sich lass es mal raus:)Ansonsten wieder einmal ausführlich und sehr offen geschrieben dazu noch das fantastische Video.1000 Dank dafür.
    Lieben grüße aus Hamburg

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