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Emotionen der letzten Tage

Stephi9 comments1314 views
Emotionen

Emotionen werden oft unterschätzt

Tage und Wochen der absoluten Dauerbelastung liegen hinter mir. Emotionen und Erschöpfungen, Freude und Anspannung, Neugierde und Angst liegen hinter und auch noch vor mir. Wer sich für das Reisen entscheidet, der lernt schnell, dass ohne diese Ängste, Neugierden und Erschöpfungen es nicht funktioniert. Ein Ausstieg ist quasi wie ein altes Leben auslöschen, alles verschwindet, die Räume werden leer, nur noch gefüllt mit Erinnerungen. Stück für Stück wird alles weniger bis am Ende nichts mehr bleibt, einzig ein Karton oder zwei oder drei. Die ganzen Gegenstände, die mal einen materiellen Wert hatten, Kleidung, Spielzeug, Bücher, alles ist weg. Ja, es befreit ungemein aber es verdeutlicht auch wie wenig am Ende übrig bleibt.

Tu ich das Richtige?

Immer wieder verfolgt mich die Frage, TU ICH DAS RICHTIGE? Zwischen all den Kartons, Krempel und Gegenständen liegen die Emotionen blank und alles drumherum hat komplett an Wert verloren. Ich glaube fest daran, dass diese Zweifel normal sind, denn sie zeigen uns wie wichtig das Leben mit all seinem Drumherum wirklich ist. Mein Sohn hängt in der Luft und mir fehlt Kraft und Zeit ihn aufzufangen, die ganze Arbeit nach Feierabend zu erledigen und dabei allem anderen gerecht zu werden, hat deutliche Spuren hinterlassen. Ich weiß, es liegt an mir, das wieder zu kitten und ich weiß auch, ich werde in ein paar Wochen nicht mehr viel von diesen Emotionen so stark fühlen aber der Moment überfordert mich einfach.

Wenn die Worte versagen

Eine Abschiedsfeier, von der ich nichts wusste, nimmt ein emotionales Ende, Trennungen sind einfach nicht für jedermann gemacht. Enttäuschungen und Überforderung finden manchmal eben nicht die richtigen Worte. Und da, wo die Sprache versagt, macht sich Wut und Trauer breit. Ich bemühe mich um Stärke, denn die brauche ich so sehr, um die nächsten Wochen zu gehen. Die nächsten Wochen, die keinen festen Plan haben, in denen ich nicht weiß, was auf uns zukommt, welche Hürden uns ein fremdes Land stellt, wie wir uns an die sprachliche Barriere tasten.

Warum Zeit so wichtig ist

Müsste ich jetzt jemanden einen Tipp geben, wie man bestmöglich einen Haushalt auflöst und eine Reise mit offenem Ende organisiert, dann wäre der Tipp Nummer eins, sich Zeit dafür zu nehmen. Zeit war mein aller größtes Problem. Denn nur 5 Tage nach meinem letzten Arbeitstag ging unser Flug und alle Menschen und alle Erledigungen darin unterbringen, war extrem belastend für mich und rein rationell betrachtet auch unmöglich. An dieser Stelle möchte ich mich einmal bei denen entschuldigen, die keinen Platz oder nur einen sehr kleinen abbekommen haben.

Tränen zum Abschied

Tränen gehören zu jedem Abschied dazu aber die Kraft habe ich zugegebener Maßen unterschätzt. Und nun sitze ich wie so oft abgehetzt im Flieger, weine und erzähle meinem Sohn, wie sehr ich mich auf unsere Zeit freue. Ich frage mich, wann ich es schaffe, abzuschalten, wie lange es wohl dauern mag bis ich wieder bei mir und meinem Kind bin, wann ich mich wieder frei fühle. Frei von allem, frei von gesellschaftlichen Zwängen, Verantwortungen, Organisationen, die sich ohne meine Hilfe vermutlich viel besser entwickeln würden. Ich spüre diesen dicken Kloß im Hals und habe das Bedürfnis ihn nicht wieder runter zu schlucken.

Manchmal dauert es, den Sinn zu verstehen

Das Leben geht manchmal seltsame Wege und warum es mich jetzt nach China schickt, weiß ich noch nicht aber manche Gründe dauern nun mal bis wir sie erkennen. Ich verlasse den Flughafen in Peking mit einem viel zu schweren Rucksack und frage mich ernsthaft, ob es nur die Gegenstände sind, die ihn so schwer machen. Ich werde ihn bald ablegen und alles rausschmeißen, was ihn unnötig schwer macht. Ich schaue meinen Sohn an und bewundere seine Kraft, die Dinge so hinzunehmen wie sie sind. Ich vergieße eine Träne, die aus Freude entspringt und mich wissen lässt, es war der richtige Schritt für uns.

Stephi
Alleinerziehend.Reisesüchtig.Freiheitsliebend.Alternativ.

9 Comments

  1. Der totale Wahnsinn was ihr da macht. Es läuft mir kalt den Rücken runter.

    Hast du deine Bewegründe schon erzählt, oder hab ich sie überlesen? Würden mich sehr interessieren.

    Ich wünsch euch viele Erlebnisse und warte darauf daran teilnehmen zu können.

    Viel Glück

    1. Huhu,
      die Beweggründe basieren alle auf einem Grundbedürfnis, dem Bedürfnis nach Freiheit. Ich habe meinen Job geliebt und vermisse ihn auch jetzt noch aber ich habe nie Zeit mit meinem Sohn und all die finanzielle Freiheit, die mir mein Leben in Deutschland gebracht hat, ist nichts im Vergleich zu der Zeit, die ich mit mir und meinem Kind dafür versäume. Und was brauchen wir denn wirklich zum glücklich sein? Ich werde ganz gewiss noch viele Antworten auf diese Frage liefern, die mir über die Zeit übern Weg laufen.

  2. Ich bin begeistert von dieser Homepage.Ich möchte mein Respekt aussprechen für Dein Mut und Dein Schritt den Du mit Deinen Sohn getan hast.Ich wünsche Euch nur das beste viel Glück liebe Stephi auf all Deinen Wegen .
    Ich freue mich auf weitere spannende Abenteuergeschichten

  3. Es ist immer schwer loszulassen und sich auf etwas unbekanntes einzulassen. Es wird Höhen und Tiefen geben, aber genau das gehört dazu und macht es so spannend. Doch sollte man erkennen man findet nicht dass was man suchte, gibt es IMMER einen Weg zurück und ich bin mir ganz sicher du wirst hier erwartet.
    Leider haben wir uns nur ganz kurz kennengelernt (Elternschule), aber es war spannend. Ich bin davon überzeugt es wird die aufregendste Zeit deines Lebens. Die Aufgewühlten Emotionen werden sich legen, der Herzschlag des jeweiligen Landes wird euch fesseln. Du wirst sehen bald findest du, wo rauf du dich gefreut hast. Ich bin mir ganz sicher.
    Ich freue mich schon mehr von eurer spannenden Zeit zu lesen und wünsche euch von Herzen ganz viel Spaaaaaaaaassssssssssssss
    Lg Silke die Zwillingsmama

    1. oh wie schön. Hab vielen Dank für deinen Kommentar. SO langsam machen wir uns vertrauter mit der chinesischen Mentalität und in zwei Wochen geht es dann schon weiter in den Süden. Auf in vertraute Gebiete, ins schöne Thailand.

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