AsienReisetagebuch

Peking, unsere ersten Tage in China

Stephi18 comments1970 views
Peking

Unser erster Erfahrungsbericht über Peking

Eine gute Woche treiben wir uns nun schon im Land der Drachen rum und es wird Zeit einmal unsere ersten Erfahrungen mit dir zu teilen. Dies ist einzig und allein ein Erfahrungsbericht. Ein ratschlaggebendes Werk folgt noch mit vielen hilfreichen Tips für Reisende mit und ohne Kindern nach Peking. Aber jetzt geht es um mich und Jannik und die Frage wie geht es uns eigentlich in Fernost.

Peking ist riesengross und erschlägt uns fast

Ja so ist es. Ich hatte trotz einiger Recherche im Vorfeld keine Ahnung wie groß es tatsächlich ist. Nachdem mein Flug von Brüssel nach Peking gestrichen wurden ist und ich mich auf drei Tage später einigte mit der chinesischen Fluggesellschaft und die auch den Zubringerflug änderten, kam ich einen Tag vor Abflug nochmal gewaltig ins Schwitzen. Die Fluggesellschaft des Zubringerfluges teilte mir mit, ich stünde nicht auf der Liste. Bitte was? Zum Glück klärte sich alles auf aber es war bis zur letzten Minute ungewiss, ob ich bereits beide Tickets erhalte oder mich in der ohnehin schon extrem kurzen Umsteigezeit von 50 Minuten noch um das zweite Ticket kümmern muss. Alles ging gut. Der Flug nach Peking kam mir wie 20 Stunden vor. Ich bekam wenig Schlaf und auch Jannik tat sich sehr schwer. Mein gebuchtes Hotel hatte ich bereits storniert und nun wollten die auf dem Zettel für die Immigration auch noch die Adresse. Oh je. Ich gab nur den Name an und hatte ganz schön Muffensausen aber auch hier war all die Sorge umsonst. Völlig übermüdet nehmen wir den Airport Express Zug in die Stadt rein. Wir erreichen Donzhiemen und machen uns sofort auf die Suche nach einem Hotel, ich will einfach nur schlafen. Unser Gepäck ist eindeutig zu schwer und ich überlege jetzt schon was ich alles abwerfen kann. Ich stelle fest, Peking ist riesengroß und erschlägt uns fast. Ich habe keine Muße ein weiteres Mal in die U-Bahn rein und noch weiter in den Kern ein zu fahren, denn ich befinde mich auf dem zweiten Ring, welcher nicht so stark mit Hotels besiedelt ist. Unser knappes Budget erleichtert die Suche schon mal gar nicht. Ich entscheide mich für ein kleines Hotel für Geschäftsreisende ohne Stern und trotzdem teuer. Egal, wir brauchen Schlaf und investieren die umgerechnet 50€, schließlich ist es nur für eine Nacht. Am späten Nachmittag erkunden wir die Umgebung und finden einen kleinen Park mit Spielplatz. Jannik knüpft erste Kontakte zu chinesischen Kindern.

Niemand versteht uns in Peking

Da unsere Hostfamilie uns wegen Umzugs kurzfristig absagen musste, blieb mir nichts anderes übrigens als nach günstigsten Unterkünften in Peking zu suchen. Gesagt, getan. Ich buche uns ein kleines Zimmer in einem Hotel nahe des Himmelstempel für umgerechnet etwa 17€ die Nacht und das ist für Peking wirklich ein Schnäppchen. Was uns jedoch auf den Weg dorthin wiederfährt, treibt mich an den Rand der Verzweiflung. Ich habe nur einen Screenshot mit der Hotel Anschrift bei mir und glaube damit im Notfall Passanten oder Taxifahrer nach Hilfe zu fragen, noch immer herrscht in meinem Kopf die Illusion, Peking sei eine Großstadt wie jede andere. Der Fussweg von der Bahnhaltestelle wurde als 12 Minuten beschrieben, angekommen bin ich tatsächlich erst VIER Stunden später und das auch nur mit Hilfe einer äusserst hilfsbereiten Mitarbeiterin eines Hostels und einem chinesischen Pärchens. Sie helfen mir ein Taxi zu finden aber auch hier kennt niemand die Adresse so wie es die ganzen letzten vier Stunden lief. Jannik hatte zwischendurch die Idee einfach das Zelt aufzuschlagen. Ein Trycicle Fahrer weiß am Ende wo unser Hotel ist, ist aber nicht bereit es einem Taxifahrer zu verraten, klar, denn er will dran verdienen. Da sowohl ich als auch Jannik am Ende unserer Kräfte sind, nehmen wir die völlig überteuerte und gefährliche Fahrt ohne Knautschzone in dem Wahnsinnsverkehr von Peking in Kauf.

Der Jetlag in Peking

In Peking sind es sechs Stunden später als in Deutschland, das heißt uns fehlen diese Stunden Schlaf nicht nur allein deshalb. Der Jetlag macht uns schwer zu schaffen und tatsächlich dauert es fünf Tage ehe wir einen halbwegs normalen Schlafrythmus haben. Vermutlich kommen hier einfach mal verschiedene Faktoren zusammen. Peking ist groß, Peking ist laut und Peking ist voll und das quasi überall. Die Touristenspots stressen mich. Viel zu viele Menschen an viel zu vielen Plätzen. Nach all den letzten Wochen des Trubels täte mir Ruhe so gut. Die sprachliche Barriere ist überall gegenwärtig und ich fühle mich so fremd wie noch nie in meinem Leben. Vorbeiziehende Touristen aus dem Westen geben mir ein vertrautes Gefühl und ich spüre wie eine nonverbale Kommunikation statt findet, ein freundliches Lächeln, das mir sagt DU BIST NICHT ALLEIN. Wieder bewundere ich Janniks Anpassungsgabe. Er fügt sich den Gegebenheiten so als wäre er nie woanders gewesen.

Chinesische Gastfreundschaft in Peking

Wir treffen uns insgesamt zweimal mit Familien aus der Couchsurfing-Kommune und lernen chinesische Gastfreundschaft und Wohnverhältnisse in Peking kennen. Manches schockiert mich und manches überrascht mich, auf die kulturellen Unterschiede werde ich in einem späteren Beitrag eingehen. In China leben oft mehrere Generationen unter einem Dach und das meist auf engstem Raum, spartanische eingerichtet aber mit ganz viel Liebe und Leben gefüllt. Neugierig und herzlich werde ich in beiden Fällen empfangen. Die Tatsache, dass ich Alles in der Heimat aufgegeben habe und ohne große Ersparnisse mit meinem Kind auf Reise gehe, stellt mich hier auf die gleiche Stufe wie Superman. Ob ich einen Plan habe? Nein, den habe ich nicht aber zumindest habe ich ganz viel Zeit mir einen zu überlegen. Beide Begegnungen sind eher kurz, denn der chinesische Alltag ist straff organisiert.

Sightseeing in Peking

Unser Sightseeingprogramm läuft sehr spartanische ab. Wir besuchen den Himmelstempel, die verbotene Stadt ohne Interieur, den Bahei- und Jingshinpark mit seinem tollen Aussichtspunkt über Peking und natürlich darf der Besuch der chinesischen Mauer nicht fehlen. Viele Wege gehen wir zu Fuß, zählen die Autos in Peking und bemühen uns so wenig Geld wie möglich auszugeben. Die chinesische Mauer besuchen wir bei strahlendem Sonnenschein, natürlich nicht alleine. Wegen der kostengünstigeren Entfernung entscheide ich mich für das Mauerstück in Badaling, sehr touristisch und so finden wir erst auf den letzten Hundert Metern Platz und Ruhe für uns. Dieser Moment ist magisch und ich bin beeindruckt von diesem Bauwerk. Jannik läuft den ganzen Weg rauf und runter von Turm eins bis zwölf ganz allein. Dafür hat er sich am Ende auch eine Medaille verdient.

Wir verlassen Peking

Morgen geht es weiter nach Shanghai und wir haben den heutigen Tag damit verbracht ruhige Plätze für uns zu finden. Auf einem See im Tretboot ist er dann da, der Moment, auf den ich mich seit Monaten freue. Ich bin ganz bei mir und meinem Kind und habe das Gefühl der Vollkommenheit. Dieses Gefühl von Glück ließ solange auf sich warten, dass ich es ganz in mir aufsauge. Auf dem Heimweg treffen wir einen kleinwüchsigen Straßenmusikanten mit seinem Sohn, an dem ich schon einmal vorbei lief. Ich entscheide mich sitzen zu bleiben, alles an mir vorbei ziehen zu lassen und Jannik und ich lauschen eine ganze Stunde dem gefühlvollen Gesang des kleinen Mannes. Auch wenn ich kein Wort von dem verstehe was er singt, berührt es mich so sehr, dass ich weinen muss. Sein ebenfalls kleinwüchsiger Sohn sammelt das Geld ein und Jannik und ich entscheiden uns dafür, ihm alles zu geben was in meiner rechten Jackentasche ist. Außerdem schenkt Jannik dem kleinen Jungen seine Cracker. Die Tatsache, dass beide kleinwüchsig sind, beschäftigt Jannik sehr und wir besprechen viele Dinge auf der Heimfahrt. Dieser Moment, als ich da saß und seinem Gesang lauschte, als ich weinen musste, dieser Moment, wo ich die Hektik in Peking ausblendete, der war so anders als der Moment, in dem ich mich so fremd fühlte. Zwischen all der Hektik und dieser mir so fremden Kultur, hat dieser kleine Mann es geschafft mir ein Gefühl der Vertrautheit zu geben und plötzlich fühle ich mich gar nicht mehr fremd. Ich schaue mich um und ich bin dankbar dafür hier zu sein, genau in diesem Moment. Ich schaue mich um und hinter all den Fassaden des Alltags und der Fremde entdecke ich Vertrautheiten. Einen perfekteren Abschlusstag in Peking hätten wir nicht haben können.

Auf Wiedersehen Peking!

 

 

 

 

Stephi
Alleinerziehend.Reisesüchtig.Freiheitsliebend.Alternativ.

18 Comments

  1. Wow! Da geht es mir ähnlich wie jenny! Faszinierend, spannend, wahnsinnig, verrückt, liebevoll, großartig! Hey, wenn es bei euch einmal richtig eng wird oder ihr Hilfe benötigt, du kannst mich immer anschreiben!

  2. Sehr sehr schön!!!!
    Und ja, auch ich konnte mir die Tränen nicht verkneifen …. vor allem halt die letzten Sätze und der Anfang vom kleinwüchsigen.
    Alles sehr beeindruckend.

  3. Das ist echt krass, Stephanie, was ihr euch da so vorgenommen habt… mir wird ganz anders beim Lesen. Bin echt froh, dass euer Pekingabenteuer doch noch einen so schönen und berührenden Abschluss gefunden hat. Viel Glück weiterhin!

    1. Hab vielen Dank für deine Anteilnahme. Ich denke China ist wirklich was für hartgesottene, zumindest wenn man es auf eigene Faust versucht. Ich schätze nur Russland ist schlimmer.

  4. Boar, was für ein Beitrag! Ich hätte ja sowas von die Hosen voll bei solch einer Aktion! Respekt!
    Und ja, Peking ist riesig und voll. Shanghai ist in dieser Hinsicht aber auch nicht besser.
    Halte die Ohren steif, ich bin schon auf die nächsten Berichte gespannt.
    Liebe Grüße,
    Marc

    1. Lieber Marc,
      mit Shanghai hast du vollkommen recht. Der Plan war eigentlich noch xian oder pingyao mitzunehmen aber nun brauchen wir erstmal ein paar Tage Ruhe. Und in einer Woche geht auch schon unser Flug nach Thailand von Shanghai aus. Mal sehen was wir uns in den nächsten Tagen noch zutrauen.

  5. Sehr schön geschrieben, bin stolz auf Dich <3 Auch mich hat es zu tränen gerührt. Respekt.Wünsche dir und Jannik noch eine tolle Reise und ich bin gespannt auf deine nächsten Berichte.
    Viel Spass noch wünscht dir deine Tante 😀

  6. Wie gern hätte ich deinen Mut und würde Deutschland verlassen .Mich hat deine Geschichte sehr berührt und ich wünsche dir viel Glück weiterhin …

  7. Wirklich krasse, Stephi. Ihr Zwei habt echt meinen Respekt. Allein beim Lesen bin ich mit Euch verzweifelt. 4 Stunden statt 15 Minuten? Ich hätte wahrscheinlich auf der Stelle angefangen zu heulen. 😉 Ich wünsche Euch ganz viel Ruhe in nächster Zeit. LG, Nadine

    1. Danke liebe Tabitha,
      ja Superman trifft es irgendwie, auch wenn mir das Fliegen verwehrt geblieben ist 😉 ich glaube das Reisen generell mit Kindern ist immer eine große Herausforderung, die mit der nötigen Portion Humor gesehen werden muss. Egal wie gut man plan, es gibt immer Hürden, die IR meistern müssen.

Leave a Response